Meinung : Schloss ohne Staat

Eichel will weniger zahlen – und gefährdet das ganze Projekt

Christina Tilmann

Das Berliner Hohenzollern-Schloss soll wiedererstehen. Das hatte die Expertenkommission „Historische Mitte“ vorgeschlagen, die im April vergangenen Jahres Empfehlungen zur Nutzung, zur Architektur und zur Finanzierung aussprach. Das hat auch der Deutsche Bundestag beschlossen, der sich am 4. Juli 2002 mit großer Mehrheit für den Vorschlag der Kommission entschied. Seitdem tagt eine Arbeitsgruppe, die die Umsetzung von Nutzungs- und Finanzierungskonzept vorbereiten soll. Im September will sie ihr Ergebnis vorstellen.

Nun aber hat der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, Pläne des Bundesfinanzministers bekannt gemacht, nach denen mehrheitlich private Investoren für das Schloss aufkommen sollen. Ohne staatliche Finanzierung jedoch wird es das Schloss in dieser Form schwerlich geben. Zur Erinnerung: Der Bundestag hat sich für das Konzept als Ganzes entschieden – also für die Kombination von kultureller Nutzung (Staatliche Museen, Humboldt-Universität, Landesbibliothek), historischer Architektur und staatlicher Finanzierung. Weder soll es eine kommerzielle Nutzung in historischer Hülle geben, noch kann sich der Staat aus der Verantwortung stehlen, die er mit der öffentlichen Nutzung übernommen hat.

Wenn Hans Eichel nun also planen sollte, den Spieß umzudrehen und statt 80 Prozent staatlicher Finanzierung 80 Prozent private Investitionen zu fordern, bedeutet dies das Ende der bisherigen Schlosspläne. Denn private Investoren werden sich kaum dazu bereitfinden, ein fast vollständig kulturell genutztes Gebäude zu finanzieren. Sie würden fordern, was sich rechnet – also das, was nach dem Willen des Bundestags auf dem Schlossplatz nicht stattfinden soll: Luxushotels, Gourmetrestaurants, Tagungsorte, reine Vergnügungsstätten. Das würde ein Disneyland mit Schlossfassade bedeuten. Und eine Nutzung, die gerade das nicht gewährleistet, was in der bisherigen Debatte oberstes Ziel war: den zentralen Platz der Bundeshauptstadt zu einem öffentlichen Platz zu machen. Oder, wie Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen, es zuspitzt: „Statt des Palasts der Republik wollen wir ein Schloss der Republik!“

Vielleicht ist das die Probe aufs Exempel: Kann sich der Staat, der hart sparen muss, die Rekonstruktion des Schlosses wirklich leisten? Oder finden sich genügend Mäzene, die den Bau eines nationalen Statussymbols unterstützen? Schloss-Promotor Wilhelm von Boddien ist sich gewiss, die 80 Millionen Euro für die historische Fassade durch private Spenden zusammenzubekommen. Es bleibt nur das kleine Problem: Woher kommen die 590 Millionen für den Bau dahinter.

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