Meinung : Schmerzhafte Nebenwirkungen

Maren Peters

Es ist nicht immer sinnvoll, wenn zwei Kleine sich zu einem Großen zusammenschließen. Größe allein macht nicht stark, die Partner müssen auch zusammenpassen. Ob das bei dem Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck und der Berliner Schering AG, für die Merck offenbar ein Übernahmeangebot vorbereitet, der Fall ist, daran bestehen Zweifel. Denn: Schering ist teuer, und nur ein Teil von Schering passt zu einem Teil von Merck.

Merck ist ein Mischkonzern, der abhängig ist von seinen hochprofitablen Flüssigkristallen für Fernseher und von dem neuen Krebsmittel Erbitux. Weil in beiden Bereichen künftig mit einem Rückgang der Erlöse zu rechnen ist, böte ein großer Zukauf in der Pharmasparte dem Unternehmen die Möglichkeit, sich breiter aufzustellen. Schering ist als Hersteller des Multiple-Sklerose-Mittels Betaferon und von Verhütungspillen wie Yasmin ein sehr erfolgreicher Nischenanbieter. Deswegen war Schering immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt worden. Überraschend ist ein Angebot von Merck daher nicht. Aber: Nur in der Krebsforschung – zugegeben, ein Bereich, von dem sich Pharmahersteller hohe Profite versprechen – gibt es echte Überschneidungen, bei denen sich die Zusammenarbeit und gemeinsame Forschung lohnen würden. Beide Seiten könnten hier vom Know-how des anderen profitieren.

Scherings eigentliche Stärke liegt aber woanders, in der hochspezialisierten Herstellung von Anti-Baby-Pillen. Das sind Produkte, die Merck bisher weder im Angebot hat noch selbst entwickelt. Natürlich kann man jetzt annehmen, dass Merck durch den Zukauf sein ohnehin breites Sortiment noch einmal vergrößern will. Doch zur Ergänzung des eigenen Forschungswissens könnten die Schering-Wissenschaftler kaum beitragen. Möglich und nicht ganz unwahrscheinlich ist daher eine andere Variante: Merck könnte sich nach einer teuren Übernahme von vielen Schering-Bereichen trennen und sie einzeln verkaufen. Das würde die Finanzlage des neuen Unternehmen schlagartig verbessern und außerdem dafür sorgen, dass sich der neue Konzern in seinen erfolgreichsten Geschäftsfeldern besser positionieren kann. Nach diesem Muster sind viele der Pharmaübernahmen und -fusionen der vergangenen Jahre abgewickelt worden. Für Schering wäre das nicht nur das Ende einer erfolgreichen Geschichte als eigenständiger Konzern. Es wäre das Ende des Unternehmens. Schlechte Nachrichten, auch für Berlin: Die Stadt würde mit der Übernahme nicht nur ihr einziges Dax-30-Unternehmen verlieren. Sondern auch einen ihrer größten Steuerzahler.

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