Meinung : Schnäppchenjagd abgesagt

Die Lufthansa mischt im Fusionskarussell nicht mit – und tut gut daran

Dieter Fockenbrock

Für die deutsche Lufthansa sieht es nicht gut aus. Die niederländische Fluggesellschaft KLM verbündet sich mit Air France. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will daraus im Einvernehmen mit Paris ein Dreierbündnis machen – Alitalia soll der neuen Allianz beitreten. Und zu guter Letzt haben sich auch noch die Schweizer gegen die Deutschen entschieden. Die Airline Swiss lehnt sich lieber beim Konkurrenten British Airways an. Fast scheint es so, als habe sich die gesamte europäische Konkurrenz gegen den Kranich verschworen. Als wollten die Briten, Italiener, Franzosen und Niederländer den (bislang) so erfolgreichen Deutschen zeigen, wer in Zukunft den Himmel beherrschen wird. Steht die Lufthansa bald alleine im weltweiten Wettbewerb?

Die Reaktion der Lufthansa ist gelassen: „Macht nichts“, kommentieren die Frankfurter selbstbewusst die gestrige Entscheidung der Swiss. Fliegen wir eben ohne die Schweizer weiter. Das hört sich an nach fahrlässiger Arroganz des Erfolgreichen. Denn zurzeit gibt es im schwierigen Luftfahrtgeschäft nur eine Konstante. Und die heißt: Veränderung. Der knallharte Preiswettbewerb und die Folgen des globalen Terrors sind immer noch spürbar, die Krise der gesamten Branche ist noch längst nicht überwunden. Wer zu klein und finanziell zu schwach ist, wird diesen radikalen Umbruch nicht überleben.

Hinzu kommt: Erst langsam lösen sich viele Gesellschaften aus der staatlichen Umklammerung. Politischer Einfluss – zumindest der Versuch, ihn auszuüben – ist weiter an der Tagesordnung. Bestes Beispiel dafür ist die flügellahme Alitalia, die jetzt an das Bündnis KLM und Air France angehängt werden soll, obwohl deren Unternehmenschefs darauf überhaupt nicht erpicht sind.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass jedes Land sich den Luxus einer eigenen staatlichen Fluggesellschaft leistete – auch wenn es noch so klein war. Und jede kleine Fluggesellschaft hatte dazu noch ein weltweites Netz. Das war sie ihrem Prestige schuldig. Luftfahrtgesellschaften waren und sind mehr als reine Transportunternehmen für Menschen und Güter. Airlines gelten als Botschafter ihrer Länder. Die Namen der Unternehmen sprechen Bände – eben Deutsche Lufthansa oder British Airways. Und solche Repräsentanten lässt man nicht in Konkurs gehen, nur weil ein paar Millionen in der Kasse fehlen. Da helfen die Regierenden gern aus der Patsche, der Reputation wegen. Bestes Beispiel für diese fliegerische Großmannssucht ist die frühere Swissair. Eines der kleinsten Länder Europas leistete sich eine der größten Fluggesellschaften – und scheiterte kläglich.

Zurück zur Lufthansa. Auch die stand vor zehn Jahren am Rande der Pleite. Die Sanierung war aber erfolgreich, eben weil die Lufthanseaten kaum Experimente machten und sich weigerten, bankrotte Konkurrenten im Dutzend einzukaufen. Zum Glück haben die Frankfurter keinen Großaktionär in Berlin mehr, der meint, vermeintliche Schnäppchen wie Alitalia, KLM oder Swiss dürfe man sich nicht entgehen lassen. Im Gegenteil. Alle drei sind Risikokäufe – finanziell wie politisch. Denn Botschafter kann man nicht einfach ans Ausland verscherbeln.

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