Meinung : Schöne neue Töne

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Wer hätte das gedacht. Zum ersten Mal nahmen die Länder Südosteuropas am Musikwettbewerb der Eurovision teil – und sie haben uns allen in „Old Europe“ ihre eigene EuropaVision gezeigt. Was dadurch zu erfahren war, bedeutet nichts anderes als eine kleine Sensation. Ja, Ex-Jugoslawien ist nach den Zerfallskriegen der Neunziger aufgesplittert in fünf Teile. Die Regierungen und Eliten dieser Länder bekämpfen einander politisch noch immer. Aber im internationalen musikalischen Turnier haben die Bevölkerungen derselben Länder ausnahmslos alle versucht, einander ihren guten Willen als Nachbarn zu zeigen. So kam es, dass die ehemals mit Serbien verfeindeten Republiken Bosnien, Kroatien und Slowenien dem unpolitischen Lovesong des für Serbien-Montenegro angetretenen Sängers Zeljko Joksimovic ihre jeweils höchste Punktzahl zuerkannten. Nicht zuletzt deshalb landete er im Finale auf dem zweiten Platz. Ein kleines Wunder. Und sogar Serbien-Montenegro gab den „verhassten“ Bosniern sechs Punkte, was diese nie erwartet hätten. Eine moderne „Fernseh-Pop-Demokratie“ per Massenabstimmung, also per E-Mail, Telefon und SMS, beweist, dass die Bevölkerungen in diesen Ländern weitaus eher bereit sind als deren Eliten und Regierungen, gute Nachbarschaft zu wollen. Den Regierungen sollte das zu denken geben.cf

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