Meinung : Schröder bei Bush - Die erste Begegnung: Von wegen mitfühlend

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Während des Wahlkampfes zog George W. Bush mit einem Schlagwort durch die Lande, das im doppelten Sinne blendend war: "compassionate conservatism", zu Deutsch: mitfühlender Konservatismus. Damit bezeichnete der angehende US-Präsident seine Philosophie, in der die Härte des Wirtschaftsliberalen angeblich gemildert wird durch die sozialen Tugenden eines Christenmenschen. Das Schlagwort hatte dieselbe Funktion wie das vom "Dritten Weg", einst geprägt durch Tony Blair und Bill Clinton. Es sollte Widersprüchliches vereinen, vermeintliche Gegensätze miteinander versöhnen. Blairs und Clintons Signal: Man kann links und effektiv sein. Bush dagegen versprach, rechts und lieb sein zu wollen. Blair und Clinton hatten Erfolg mit ihrem Konzept. Bei Bush dagegen verstärkt sich der Eindruck, dass er die Amerikaner mit "compassionate conservatism" über seine wahren Absichten hinweggetäuscht hat. Bislang ist Bush nur rechts, nicht lieb, geschweige denn mitfühlend. Gerhard Schröder, der heute in Washington erwartet wird, sollte sich durch den Charme seines amerikanischen Kollegen nicht einlullen lassen. Bush will aus dem Kyoto-Protokoll, das die Amerikaner 1997 unterschrieben hatten, ganz aussteigen. Was aber ist so mitfühlend daran, die drohende Klimakatastrophe bewusst zu beschleunigen? Was ist so mitfühlend daran, wenn die größte Industrienation beschließt, in aller Seelenruhe mit anzusehen, wie durch das Steigen des Meeresspiegels bald ganze Landstriche im Wasser versinken? Was ist so mitfühlend an einer Politik, die den Umweltschutz nicht nur ignoriert, sondern öffentlich verhöhnt? Falls der Bundeskanzler bei seinem Besuch mehr vorhat, als die transatlantischen Beziehungen für stabil zu befinden, muss er ein paar ernsthafte Fragen stellen.

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