Meinung : „Schuldenerlass steht auf festem Fundament“

Wolfgang Drechsler

Der Mann mit dem grau melierten Haar spricht sanft, fast leise, aber dennoch voller Leidenschaft. „Dank des Engagements vieler Geberländer steht der 40 Milliarden Dollar schwere Schuldenerlass für die ärmsten Länder nun auf einem festen Fundament“, sagt Paul Wolfowitz. Und natürlich müssten die Industrieländer jetzt auch ihre Agrarsubventionen abbauen, um diesem Fundament mehr Halt zu verleihen.

Wer nicht weiß, dass Wolfowitz als stellvertretender US-Verteidigungsminister die eigentliche Triebfeder hinter dem Irakkrieg war, könnte glauben, einem Dritte- Welt-Bewegten zu lauschen. Seit seinem Amtsantritt vor fast einem Jahr setzt der 62-Jährige auf die weiche Welle. Der frühere Dozent und US-Botschafter hat sich nicht nur als guter Zuhörer, sondern auch als geschmeidiger Kommunikator entpuppt.

Allen Befürchtungen seiner Kritiker zum Trotz hat Wolfowitz die Washingtoner Finanzinstitution nicht zum verlängerten Arm der amerikanischen Außenpolitik gemacht (und auch keine Gelder für den Nahen Osten abgezweigt). In einigen Punkten, wie etwa beim Klimawandel oder Schuldenerlass, ist er sogar auf Kollisionskurs mit seinem früheren Chef George W. Bush geraten.

Dass Wolfowitz scharfen Worten auch Taten folgen lässt, hat er im Kampf gegen die Korruption bewiesen. Ohne viel Aufhebens hat er eine Kampagne gegen korrupte Praktiken gestartet und das Thema zur Chefsache erklärt. Auf den Philippinen und in Indonesien hatte er bereits im Verlauf seiner dortigen Tätigkeit für die US-Regierung Reformen angemahnt, weil er davon überzeugt ist, dass die ärmsten Staaten ihrer wirtschaftlichen Misere nur durch bessere Regierungsarbeit entrinnen können.

Inzwischen hat die Bank auch eine Reihe von Projekten gestoppt oder auf Eis gelegt, denen der Geruch der Bestechlichkeit anhaftet, darunter fünf Darlehen an Kenia. Wolfowitz wird am Ende daran gemessen werden, ob es ihm gelingen wird, einen Plan mit weithin gültigen Kriterien zur Korruptionsbekämpfung zu entwerfen. Obwohl die Weltbank laut Satzung unpolitisch bleiben soll, will ihr neuer Chef den Erlass von Schulden künftig an ein schärferes Vorgehen der begünstigten Länder gegen die Korruption koppeln. Auch wird erwogen, die Kreditvergabe künftig eng an die Pressefreiheit zu knüpfen, weil diese als ein besonders wichtiges Instrument im Kampf gegen korrupte Praktiken gilt.

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