Schuldenkrise : Es gibt keinen Rechtsanspruch auf niedrige Zinsen

Das europäische Geschäftsmodell geht zu Ende. Die Staaten können ihre Haushaltslöcher nicht länger mit Schulden stopfen - schon gar nicht zu günstigsten Bedingungen. Das muss auch die EZB begreifen.

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Der einzige Weg aus der Krise heißt sparen, meint Ursula Weidenfeld. Immer mehr Schulden - dieses Geschäftsmodell ist am Ende.
Der einzige Weg aus der Krise heißt sparen, meint Ursula Weidenfeld. Immer mehr Schulden - dieses Geschäftsmodell ist am Ende.

Ist die Krise der Euro-Zone eine Erfindung fieser Finanzhaie? Haben sich nur ein paar Zocker mal etwas richtig Großes vorgenommen: das eigentlich kerngesunde Europa? Wäre die Antwort „ja“, hätten diejenigen recht, die auf die große Bazooka hoffen, mit der die Europäische Zentralbank dem Spuk ein Ende machen soll. Sie soll Staatsanleihen der Eurokrisenländer kaufen, damit die nicht mehr so hohe Zinsen für ihre Schulden zahlen müssen. Trügen also nur die „Märkte“ Schuld, wären der italienische Ministerpräsident Mario Monti, der spanische Regierungschef Mariano Rajoy, der französische Staatspräsident François Hollande und der Alteuropäer Jean-Claude Juncker goldrichtig mit ihrem Verlangen nach einer beherzten Vergemeinschaftung der europäischen Schulden.

Leider ist es anders. Niemand wird im Ernst behaupten, Europa sei kerngesund. Es sind zwar auch, aber eben nicht nur die Finanzmärkte, die den Europäern das Leben so schwer machen. Die wahren Probleme liegen immer noch in den Ländern selbst – im griechischen Schlendrian, der italienischen Steuerhinterziehung, der spanischen Immobilienkrise. Vor allem aber ist die jahrzehntelange Weigerung Europas verantwortlich, seine Probleme anzupacken und stattdessen lieber Schulden zu machen. Jeder weiß, dass das Leben auf Kredit auf Dauer in die Pleite führt. Nur für Staaten wie Griechenland und Spanien soll das nicht gelten? Nicht einmal jetzt, nachdem niemand diesen Ländern mehr Kredit zu angenehmen Konditionen geben will?

Es ist für alle Seiten bequemer, den zynischen Finanzmaklern die Schuld zuzuweisen. Dann muss man nur Leute bekämpfen, mit denen ohnehin niemand Mitleid hat. Vielleicht kann man sich so auch noch für ein paar Monate vor der Erkenntnis drücken, dass das europäische Geschäftsmodell zu Ende geht: die Finanzierung der Staatsausgaben durch Kredite zu besten Bedingungen.

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf niedrige Zinsen, niemand kann gezwungen werden, Staatsanleihen zu kaufen. Das haben Griechenland, Spanien, Irland, Portugal und Italien bitter erfahren müssen. Die anderen Länder haben vielleicht etwas mehr Zeit, sich zu der Zurückhaltung zu zwingen, die der europäische Fiskalpakt ihnen auferlegt. Aber auch für sie gilt: Die große Zeit der Staatsanleihen ist vorbei, egal wie viele von ihnen die EZB demnächst aufkaufen will.

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