Schuldenkrise : Griechenland muss raus aus dem Strudel

Lange wollten die Europäer von einer Umschuldung nichts wissen, aus Furcht um ihre Privatbanken und die Europäische Zentralbank, die Milliarden in Athen im Feuer haben. Doch nun müssen sich die Euro-Länder zu einer sanften Umschuldung der Griechen durchringen.

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Griechenland muss sparen - und sich von mehreren staatlichen Unternehmen trennen. Unternehmen im Wert von schätzungsweise 280 Milliarden Euro befinden sich noch im Staatsbesitz. Davon soll ein Großteil möglichst schnell verkauft werden. Antike Sehenswürdigkeiten sollen nicht dazu gehören. Der Privatisierungsprozess begann schon vor mehreren Jahren. Gebracht hat er nicht viel. Athen muss trotzdem unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen.Alle Bilder anzeigen
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18.05.2011 14:43Griechenland muss sparen - und sich von mehreren staatlichen Unternehmen trennen. Unternehmen im Wert von schätzungsweise 280...

Der Zeitpunkt des Einwurfs ist mit Bedacht gewählt. Geld bekommen die Südeuropäer nur, wenn sie mit dem Sparen ernst machen, droht die Bundeskanzlerin. Und gefälligst weniger Ferien machen und später in Rente gehen. „Deutschland hilft nur dann, wenn sich die anderen anstrengen“, tönt sie.

Der Versuch Merkels, dem Boulevard zuvorzukommen, wirkt ein bisschen hilflos. Die Griechen sind am Ende und brauchen dringend frisches Geld, soll der Euro überleben. Ein höheres Rentenalter oder ein paar Wochenstunden mehr bringen dem Land ad hoc aber nicht einen Cent. Merkel geht es darum, den Unmut der Deutschen darüber einzufangen, dass sie schon wieder für den Schlendrian eines anderen Staats einstehen müssen – und darum, die Umschuldung Griechenlands durchzupauken, also einen Verzicht der Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen.

Die neue Hilfe muss kommen, trotz aller Versprechungen Merkels. „Mit der christlich-liberalen Koalition wird es keine Vergemeinschaftung von Schulden geben“, hatte sie noch im März gesagt. Doch angesichts der Misere Athens muss etwas geschehen, ehe das Land im Strudel aus schlechter Bonität, hohen Zinsen, noch schneller wachsenden Schulden und noch heftigerer Rezession endgültig absäuft.

Für die Euro-Gemeinschaft ist die geplante Umschuldung eine Zäsur. Lange wollten die Europäer davon nichts wissen, aus Furcht um ihre Privatbanken und die Europäische Zentralbank, die Milliarden in Athen im Feuer haben. Eine sanfte Umschuldung ist daher das Mittel der Wahl, also eine spätere Rückzahlung der Verbindlichkeiten zu einem geringeren Zinssatz. Ein weiterer Milliardenkredit durch Europas Zahlerländer dürfte zudem unausweichlich sein.

Dieser Weg kann funktionieren, ohne Risiko ist er nicht. Die Gläubiger müssen ihn freiwillig mitgehen und auf die ihnen zustehenden Zinsen verzichten. Zudem muss der Gegenwert der Umschuldung beträchtlich sein, soll er Athen tatsächlich helfen, den Etat zu sanieren. Anderenfalls würde Europa nur Zeit gewinnen. Die Pleite, früher oder später, wäre sicher.

Zweifellos beschädigt ein erneuter Hilfsakt das Ansehen des Projekts Europa weiter. Die Alternativen würden aber noch mehr Flurschaden anrichten. Ein sofortiger, heftiger Schuldenschnitt, gar ein Austritt der Griechen aus dem Euro-Verbund würde eine Kapitalflucht auslösen und das Land erst recht in den Abgrund ziehen – große Teile der europäischen Finanzwirtschaft gleich mit.

Genau hier liegt das Versagen der Kanzlerin, der schwarz-gelben wie der schwarz-roten Koalition. Natürlich hätten Banken und Versicherungen längst an den Kosten der Krise beteiligt werden müssen. Doch noch immer besitzen sie ein beträchtliches Erpressungspotenzial: Sie sind zu wichtig, als dass sie scheitern dürften – too big to fail. Fällt ein wichtiges Institut, könnte es das gesamte, verflochtene Finanzsystem mitreißen. Seit 2008 ist es nicht gelungen, die Branche an die Kette zu legen. Als hätte es die Finanzkrise nicht gegeben.

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