Schuldenkrise : Zins und Zeter

Irre Zeiten, irre Märkte. Spanien musste für Anleihen mittlerer Laufzeit im Moment einen Zins von 6,5 Prozent bieten. Ein stolzer Preis. Auch Italien muss Investoren derzeit weit entgegenkommen. Frankreich, alles andere als ein Muster an Solidität, merkwürdigerweise weitaus weniger. Von den USA wird ein noch geringerer Zins verlangt – obwohl sie eine fast so hohe Staatsverschuldung haben wie Italien und eine deutlich höhere als Spanien, und obwohl die Amerikaner dazu noch privat bis über beide Ohren verschuldet sind, während die Italiener brave, solide Sparer sind. Und Deutschland, auch nicht gerade schuldenfrei, kann kurzfristige Anleihen praktisch ohne Zins absetzen und länger laufende deutlich unter zwei Prozent. Was Spanier und Italiener zahlen müssen, ist sehr viel – und dennoch relativ nah dran an jenem Zinssatz von vier bis fünf Prozent, den Otto Normalversteher in einigermaßen normalen Zeiten als üblich bezeichnen würde. Denn das ist ungefähr die Rendite, die man sich wünscht für seine Lebensversicherung, wenn die Inflation nicht ins Kraut schießt. Es sind die Zinsen für Deutschland, die abnorm sind. Die Bundesrepublik ist in die Rolle des Krisengewinnlers geraten und kann günstig umschulden. Das verschafft uns Luft. Die Abnormität dieser äußerst geringen Zinsen aber sollten all jene in Deutschland bedenken, die Zeter und Mordio schreien, wenn von uns Hilfen erwartet werden. afk

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