Schuldenschnitt für Griechenland : Gerettet, vorerst

Die Staatspleite für Griechenland konnte mit dem Schuldenschnitt abgewendet werden - vorerst jedenfalls. Doch jetzt liegen jahrelange, beispiellose Anstrengungen vor den Griechen. Dagegen war die Agenda 2010 nichts.

von
Wo geht es hin mit Hellas? Nach dem Schuldenschnitt ist das Land noch längst nicht über den Berg.
Wo geht es hin mit Hellas? Nach dem Schuldenschnitt ist das Land noch längst nicht über den Berg.Foto: dpa

Es ist geschafft. Die privaten Gläubiger Griechenlands haben auf den größten Teil des Geldes verzichtet, das sie in Staatsanleihen des Landes gesteckt hatten. Die förmliche Pleite konnte abgewendet werden, vorerst jedenfalls. Leider ist das nicht der Schlusspunkt, sondern kaum mehr als ein Anfang. Jetzt erst können Notkredite, Sparprogramme und Wachstumsimpulse greifen. Vor Griechenland liegen jahrelange, beispiellose Anstrengungen. Die Agenda 2010 war nichts dagegen.

Es ist eine Ironie, das es am Ende an Banken und Schattenbanken hing, ob der Schuldenschnitt gelingt. Die Finanzbranche hatte das Fiasko schließlich erst ermöglicht, hatte einem Land Abermilliarden geliehen, das längst am Rande des Ruins stand. Doch die Schuld liegt nicht nur in der Finanzwelt. Die griechische Elite hat total versagt, ihre Verantwortung missbraucht, den eigenen Nutzen über alles gestellt. Hoffentlich gelingt es dem Land, nach den Wahlen im April Lehren aus der Krise zu ziehen, wie es in Italien unter Mario Monti gerade geschieht.

Wie kommt Griechenland aus der Schuldenkrise?
Was passiert eigentlich, wenn Athen pleite geht?Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: AFP
22.02.2012 11:57Was passiert eigentlich, wenn Athen pleite geht?

Doch Lehren sind nicht nur in Griechenland zu ziehen. Die anderen europäischen Staaten müssen den beschlossenen Fiskalpakt erst noch umsetzen, der zu neuer Solidität führen soll. Und die Finanzbranche sieht groteskerweise ziemlich genauso aus wie vor der Lehman-Pleite. Die Regulierung hält sich in Grenzen, viele Banken stellen noch immer unbeherrschbare Risiken dar und müssen deswegen am Leben gehalten werden. Die zentrale Lehre der vergangenen Jahre muss sein: Geld darf nicht zu billig sein. Und deswegen mag es für den Moment richtig sein, die Zinsen auf historisch niedrigem Niveau zu halten. Aber auf Dauer gibt das die falschen Anreize.

Griechenland hat etwas Aufschub erhalten. Aber wird das Land den nötigen Wandel tatsächlich zu Wege bringen? Wird die gesamte Europäische Union ihre politische und wirtschaftliche Krise überwinden? Wird die Finanzwelt auch ohne Crash in vernünftige Bahnen zurückfinden? Das alles ist überhaupt nicht sicher, ja nicht einmal wahrscheinlich. Es ist also wirklich noch nichts geschafft.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar