Schule : Mehr Geld für Berlins Lehrer!

Mit Lehrermangel ist nicht zu spaßen. Doch nicht die Verbeamtung löst das Problem der Abwanderung, sondern ein höheres Gehalt.

Susanne Vieth-Entus

Ein Gespenst geht um in Berlin, das Gespenst der Lehrerverbeamtung. Gerade fanden sich ein paar Junglehrer der Initiative „Verbeamtung jetzt“ im Abgeordnetenhaus ein, um mit ihrem Weggang zu drohen, falls Berlin nicht wieder dazu übergeht, aus Lehrern Staatsdiener zu machen. Sie treffen Berlin an einer empfindlichen Stelle: Mit Lehrermangel ist nicht zu spaßen. Schon gibt es die ersten Anzeichen in Form von einzelnen unbesetzten Stellen, und es könnten bald mehr werden.

Der Senat weiß aus den Erfahrungen anderer Bundesländer, dass man mit Unterrichtsausfall Wahlen verlieren kann. Anstatt aber alles zu tun, um die durchaus vorhandenen jungen Lehrer zu halten, begnügt sich die Bildungsbehörde mit halbherzigen Schritten wie einer zwar etwas besseren Bezahlung, die aber bei weitem nicht die Differenz zum Beamtensalär in Hamburg oder Hannover ausgleichen kann.

Wenn der Senat tatsächlich entschlossen wäre, an der Nichtverbeamtung festzuhalten, wären andere Schritte nötig: 300 bis 400 Euro netto mehr und – vor allem – frühe Einstellungszusagen. Wer nämlich herumfragt bei den Lehrern, die Berlin in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben, der erfährt, dass sie ihre Stadt, ihre Familie und Freunde oftmals nicht wegen eines lockenden Beamtenstatus verlassen haben, sondern deshalb, weil Berlin ihnen entweder überhaupt keine Stelle angeboten hat oder weil das Gehalt netto um 500 Euro niedriger ist.

Diese Defizite sind hausgemacht: Seit Jahren haben SPD und Linke zugelassen, dass Personalpolitik einzig und allein vom Finanzsenator betrieben wurde. Selbst als schon absehbar war, dass Deutschland aufgrund der einsetzenden Pensionierungswelle auf einen gigantischen Lehrerbedarf zusteuert, durfte der Bildungsssenator keinen einzigen Lehrer in Reserve einstellen: Sogar Spitzenkräfte mit Einserexamen und Mangelfächern wie Mathematik oder Informatik ließ Berlin gehen.

Man muss sich fragen, warum der Bildungssenator diesen Zusammenhang ausblendet und stattdessen Andeutungen macht, die Berlins Rückkehr zur Lehrerverbeamtung in den Bereich des Möglichen rücken. Man sollte ihm in Erinnerung bringen, warum Berlin diesen alten Zopf einst abgeschnitten hat: Weil Lehrertätigkeit nach vorherrschender Rechtsmeinung keine hoheitliche Aufgabe ist. Weil der Beamtenstatus bei manchen Menschen eine Versorgungsmentalität erzeugt, die leistungsfeindlich ist und sich wie Mehltau ausbreitet. Weil viele Beamte es für selbstverständlich halten, dass sie im Krankheitsfall bis zum Sankt-Nimmer leins -Tag ihr volles Gehalt bekommen, und Vater Staat sich oft nicht einmal vergewissert, ob es sich wirklich um einen Krankheitsfall handelt. Hier wird Geld verbrannt.

Das haben Schulen nicht verdient. Sie verdienen engagierte Lehrer, die brutto genug bekommen, um nicht nur ihre Rente selbst bezahlen zu können. Im Übrigen kann man Angestellten auch außertarifliche Zulagen zahlen – etwa für gute Arbeit in Brennpunkten von Mitte bis Neukölln.

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