Meinung : Schummerlicht gegen Glühstrümpfe

Berichterstattung zur Gaslaternenumrüstung

Es ist grotesk: Während Berliner Firmen(!) z. B. in Prag und Warschau neue Gaslaternen installieren, weil dort ihr den Tourismus fördernder Wert erkannt wird, soll bei uns kostspielig auf „Elektro-Jessika“ umgestellt werden.

Die angeblich dabei zu erzielenden Einsparungen werden nicht deutlich zu den Umrüstungskosten in Beziehung gesetzt und niemand weiß ja auch bisher, wie sehr sich die Strompreise noch weiter erhöhen werden. Erdgas dagegen ist eine in den Straßen vorhandene Primärenergie, die nicht erst kostspielig erzeugt werden muss. Zudem hat die Gaslaterne eine mindestens drei- bis viermal höhere Lebensdauer, während vom Senat zugegebenermaßen „Jessika“ alle 20 Jahre erneuert und dabei gefährlich entsorgt (Quecksilber) werden muss.

Michael Graf Westarp,

Berlin-Wilmersdorf

Heureka! Der Berliner Senat und sein Staatssekretär Gaebler haben herausgefunden, wer schuld ist an der Haushaltsnotlage des Landes Berlin: Nicht etwa Bankgesellschaft oder Flughafendesaster – nein, die bösen teuren Gaslaternen sind’s!

Das erinnert an den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, in dem der Kandidat Mitt Romney den Eindruck erweckte, an der US-Staatsverschuldung seien nicht etwa die Rettungsmaßnahmen für die Finanzindustrie schuld, sondern „Big Bird“, der große gelbe Vogel aus der beliebten Kindersendung „Sesamstraße“. „Big Bird“ hatte Glück – Mitt Romney hat die Wahl verloren. Die weltweit einmalige Berliner Gasbeleuchtung hat wohl weniger Glück – dieser Senat und sein Staatssekretär Gaebler sitzen leider fest im Sattel.

Sebastian Amler,

Berlin-Charlottenburg

Stefan Jacobs schreibt am 17. November im Artikel „Knipst die Gaslaternen aus“ , dass auch Sonnenlicht einen UV-Anteil hat und deshalb die Elektroleuchten, mit denen der Berliner Senat die Gaslaternen ersetzen möchte, eher dem natürlichen Licht entsprechen. Das stimmt – insofern hat Herr Jacobs in Physik gut aufgepasst.

Ob er auch in Biologie gut aufgepasst hat, ist nicht ganz so sicher, denn sonst wäre ihm klar, dass es im Biorhythmus von Menschen und Tieren (und somit auch Insekten) einen großen Unterschied zwischen Tag und Nacht gibt – und da die Sonne bekanntermaßen nachts nicht scheint, können sich Insekten folglich in einer gasbeleuchteten Gegend sehr viel besser erholen und Kraft tanken als unter Elektrolampen. Solche Fragen müsste man im Sinne einer intakten Stadtnatur natürlich ernsthaft diskutieren, aber dies wäre dann nicht so plakativ, mit Sicherheit weniger platt.

Raoul Michael Koether, München

Aktueller Energiekosten-Vergleich: Gaslicht – Elektrolicht

Von den rund 224 000 Straßenleuchten in Berlin werden mit Stand November 2012 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt rund 42 500 Leuchten mit Gas betrieben.

Berlin verfügt aktuell über rund:

30 700 Gasaufsatzleuchten mit der historischen Typenbezeichnung BAMAG U 7 7000 Gasreihenleuchten

3600 Gashängeleuchten und

1200 Gasmodellleuchten.

Die Stadt Berlin wendet pro Jahr etwa 13,5 Mio. Euro allein für die Gaskosten der 42 500 Gasleuchten und etwa 13,5 Mio. Euro für die Stromkosten der 181 500 elektrischen Straßenleuchten auf, im Mittel also 318 Euro pro Gasleuchte und 74 Euro pro Elektroleuchte.

Die Differenz beträgt 244 Euro, d. h. bei Umstellung sämtlicher Gasleuchten auf E-Leuchten liegt das Energiekosten-Einsparpotenzial bei etwa 10,4 Mio. Euro pro Jahr !

Aktueller Vergleich der Instandhaltungskosten

Gasleuchten versus Elektro-Leuchten

Die Instandhaltungskosten betragen bei Gasleuchten im Mittel etwa 200 € und bei elektrischen Leuchten nur etwa 10 Euro pro Lichtpunkt und Jahr.

Die Differenz beträgt hier 190 Euro, d. h. bei Umstellung sämtlicher Gasleuchten auf E-Leuchten liegt das Einsparpotenzial bei der Umstellung sämtlicher Gasleuchten auf E-Leuchten bei etwa 8,1 Mio. Euro pro Jahr!

Insgesamt erhält man also eine Einsparung von rd. 18,5 Mio Euro pro Jahr, wenn nur noch elektrische Leuchten betrieben werden.

Die Lichtfarbe und die Farbwiedergabe der modernen, energiesparenden „LED-Glühstrümpfe“ unterscheiden sich nicht wahrnehmbar von der des Gaslichts!

Prof. Dr.-Ing. Peter Marx,

Berlin-Wannsee

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