Meinung : Schurkenstück

„Willensbekundungserklärungsversuch“ vom 11. November

Mit seinem Kommentar zum Fernbahnhof Zoo liegt der sonst hochgeschätzte Lorenz Maroldt völlig daneben. Es geht doch nicht um ein Ost-West-Gerechtigkeitsempfinden und auch nicht nur um eine Aufwertung der City West, sondern um einen besseren Service der Deutschen Bahn für einen erheblichen Teil der Bahnreisenden und um die Korrektur des Schurkenstücks von Herrn Mehdorn, dem der Umsatz der vermieteten Geschäfte und Restaurants im Hauptbahnhof mehr am Herzen lag als die optimale Bedienung seiner Bahnkunden.

Für Reisende aus und nach Charlottenburg, Wilmersdorf, Steglitz, Zehlendorf, Wannsee und auch Potsdam ist der Bahnhof Zoo besser und/oder schneller zu erreichen als der Hauptbahnhof, was bei ausgedünntem S- und Regionalbahnverkehr am späteren Abend besonders ins Gewicht fällt. In jeder Stadt außer in Berlin ist der Hauptbahnhof zugleich am dicksten Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs gelegen, das aber ist hier nach wie vor der Bahnhof Zoo, an zweiter Stelle übrigens der Alexanderplatz, und das wird auch noch lange so bleiben, aber an diesen Bahnhöfen halten die Fernzüge nicht. Hinzu kommt, dass das Einsteigen in die Fernverkehrszüge besonders in Stoßzeiten angenehmer ist, wenn sich der Andrang der mit Gepäck beladenen Reisenden nicht auf einen Bahnhof konzentriert. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Fehlentscheidung von 2006 korrigiert wird – zugunsten sehr vieler Bahnkunden und keineswegs aus politisch-ideologischen Gründen.

Dr. Michael Jenne, Berlin-Wannsee

Vor etwa einem Jahr geschah Folgendes: Der ICE aus Hannover war bis Spandau pünktlich, dann begann die Verzögerung, weil die Stadtbahn überlastet war. Der Zug stoppte hier und da, im Bahnhof Zoo blieb er stehen. Manche Fahrgäste fürchteten um ihren Anschluss. Plötzlich ertönte aus dem Lautsprecher die Ansage: „Die Türen sind freigegeben. Wer will, kann aussteigen.“ Die Türen sprangen auf, mit Jubelgeschrei strömten etwa 200 Fahrgäste auf den Bahnsteig. Besser kann nicht dokumentiert werden, wie nötig die Wiedereröffnung dieses Bahnhofs auch für Fernzüge ist. Ich kann mir vorstellen, dass der Beamte, der diese Eigenmächtigkeit zu verantworten hatte, danach gerügt wurde.

Ernst Ulich, Berlin-Lichterfelde

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