Meinung : Schwache Verbindung

Bei der Telekom hört das Management zu wenig auf die Mitarbeiter – darum der Streik

Corinna Visser

Die Wirtschaft brummt. Es entstehen neue Arbeitsplätze, und in vielen Branchen wird es dieses Jahr kräftige Lohnzuwächse geben. Nicht so bei der Deutschen Telekom. Die Quartalszahlen, die Konzernchef René Obermann am Donnerstag vorlegte, zeigen warum: Im klassischen Festnetz laufen der Telekom die Kunden in großer Zahl davon – im ersten Quartal waren es jeden Tag im Schnitt 6533. Damit hat sich der Kundenverlust noch einmal beschleunigt. Umsatz und Ergebnis im Inland schrumpfen.

Die Botschaft der Konzernspitze ist ganz klar: Bei der Telekom gibt es nichts zu verteilen. Im Gegenteil. Zwei Dinge müssen passieren: Das Unternehmen muss deutlich effizienter werden – nicht nur, aber vor allem beim Personal. Noch immer beschäftigt die Telekom pro Kunde deutlich mehr Mitarbeiter als vergleichbare europäische Konkurrenten. Zusätzlich muss aber auch die Leistung besser werden. Es wird der Telekom nicht gelingen, der billigste Anbieter zu werden, also muss sie um so vieles besser sein, als sie teurer ist als andere. Das ist übrigens nicht schwer. Denn der Service bei den Wettbewerbern ist meist nicht wirklich besser. Doch da die Telekom immer noch mehr als 32 Millionen Kunden und einen Marktanteil von 85 Prozent bei den Festnetzanschlüssen hat, fällt es bei ihr mehr Leuten auf. Und sie ist eben auch teurer.

Konzernchef Obermann hat die Richtung vorgegeben. Und die ist richtig. Die Frage ist, ob er die richtigen Mittel wählt. Die Telekom beschäftigt im Inland immer noch rund 160 000 Menschen, davon 81 000 bei der Festnetztochter T-Com, etwa die Hälfte von ihnen sind Beamte. 50 000 Mitarbeiter sollen künftig nach dem Willen des Vorstands in neuen Servicegesellschaften länger arbeiten und weniger verdienen. Viele Betroffene befürchten erhebliche Einschränkungen – und das in einem freundlichen wirtschaftlichen Umfeld.

Die Gewerkschaft Verdi wirft Obermann vor, einen Krieg gegen die eigenen Beschäftigten zu führen. Und wer die eigenen Leute angreife, könne mit eben diesen Leuten den Service nicht verbessern. Das klingt plausibel. Auch die Klagen der Belegschaft, dass der geplante Personalumbau die 18. Umorganisation im Konzern seit der Privatisierung im Jahr 1995 sei, was die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens alles andere als vorangebracht habe, ist berechtigt. Bisher hat das Management offensichtlich zu wenig auf die Mitarbeiter gehört und ihr Wissen zu wenig für die Verbesserung der Prozesse genutzt. Das muss sich ändern.

Doch zum Sparen gibt es keine Alternative. Die Kunden sind nicht bereit, die hohen Löhne zu finanzieren. Der Streik wird die Situation für den Konzern nur schlimmer machen. Die Ängste der Belegschaft sind verständlich. Aber dass Verdi auf die Sicherung der – im Vergleich sehr komfortablen – Besitzstände pocht und den Umbau ablehnt, bringt nicht nur diese Besitzstände in Gefahr, sondern am Ende die Arbeitsplätze insgesamt.

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