Schwarz-Grün : Der schwierige Weg des Überläufers

Oswald Metzger, Wirtschaftsexperte und CDU-Mann mit grüner Vergangenheit, verkörpert das schwarz-grüne Milieu wie kaum ein anderer. Das könnte ihn für die Union wertvoll machen - doch deren Mittelstandsvereinigung stoppte gerade einen neuen Versuch Metzgers, ein Amt zu erringen.

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Konnte in der Union bislang keinen Posten von Bedeutung erringen: Der ehemalige Grüne Oswald Metzger.
Konnte in der Union bislang keinen Posten von Bedeutung erringen: Der ehemalige Grüne Oswald Metzger.Foto: picture alliance

Es gab einmal eine Zeit, da galten die Grünen als politische Kraft, die viel von Wirtschaft versteht. In den 90er Jahren bildeten Abgeordnete wie Christine Scheel und Matthias Berninger den aufstrebenden Mittelstandsflügel ihrer Fraktion. Und natürlich Oswald Metzger. Der war zu rot-grünen Zeiten Dauergast in vielen Talkshows, weil ihm die Schröder’schen Wirtschaftsreformen meist nicht weit genug gingen.

Während sich Scheel und Berninger aus der grünen Politik verabschiedeten, um in die Wirtschaft zu gehen, wählte der Oberschwabe Metzger einen anderen Weg. Ende 2007 trat er bei den Grünen aus – mit der Begründung, dass er gegen ein Grundeinkommen sei. Ein paar Monate später besorgte er sich ein Parteibuch der CDU.

Metzger hält Schwarz-grün für möglich

Doch der erhoffte zweite politische Frühling ist für Metzger ausgeblieben. Sein Marktwert sank, nachdem er kein Grünen-Renegat mehr war – und in der CDU haben sie auf den politischen Konvertiten stets kühl reagiert. So bewarb er sich dreimal erfolglos um Wahlkreiskandidaturen für die Union, 2010 scheiterte er bei der Oberbürgermeisterwahl in Ravensburg gegen einen anderen CDU-Kandidaten. Und am gestrigen Freitag ging auch sein jüngster Comebackversuch daneben. Beim Kampf um den Vorsitz der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT besiegte ihn der eher unbekannte Abgeordnete Carsten Linnemann mit 71,7 Prozent der Stimmen.

Dabei könnte die Person Metzger im Moment für die Union so wertvoll sein wie nie zuvor. Kein anderer CDU-Politiker verkörpert das schwarz-grüne Milieu so sehr wie er. Doch Metzger war vor allem interessant, solange er Grenzen überschritt. Darin gleicht er Schwarz-Grün: Es faszinierte so lange, wie es als Tabubruch galt.

Weder die Schwarzen, noch die Grünen mögen ihn

Hinzu kommt, dass Metzger in beiden Parteien nicht gerade wohlgelitten ist. Die Grünen waren erleichtert über seinen Abgang. Und auch Angela Merkel dürfte Metzgers Weg eher misstrauisch verfolgen. „Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste! Dieses in der Finanz- und Euro-Krise vielfach praktizierte Modell widerspricht fundamental der marktwirtschaftlichen Logik – und ganz sicher auch dem Verantwortungsgefühl jeder schwäbischen Hausfrau“, schrieb Metzger vor einigen Monaten in einer Zeitschrift der Konrad-Adenauer-Stiftung. Um mehr von solchen Sätzen an die Adresse der Kanzlerin zu hören – allein dafür hätte sich eine Wahl Metzgers zum MIT-Chef vielleicht doch gelohnt.

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