Schwarzer vs. Schröder : Richtiger Sex und falscher Sex

Alice Schwarzer kritisiert Familienministerin Schröder für ihre Aussagen über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Schwarzer überschätzt dabei ihre eigene Wirkung.

von
Karikatur: Klaus Stuttmann

Es gibt einen Streit zwischen Familienministerin Kristina Schröder und der Autorin Alice Schwarzer. Schröder hat im „Spiegel“ sinngemäß gesagt, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gebe, die nicht wegerzogen werden können. Kinder, sagt Schröder, würden glücklich machen. Die Sexualität zwischen Männern und Frauen laufe, im Gegensatz zu einer älteren These von Alice Schwarzer, nicht automatisch auf eine Unterwerfung der Frau unter den Mann hinaus. Das mit den Männern und den Frauen sei stattdessen, ähnlich wie Kinder, häufig recht schön. Sexualität zwischen Mann und Frau, so die Grundthese von Schröder, muss ebenso erlaubt und gesellschaftlich akzeptiert sein wie alle anderen Formen der Sexualität.

Das klingt doch eigentlich nicht skandalös, auch nicht erzreaktionär oder machohaft. Die Sexualität zwischen Männern und Frauen ist doch nun wirklich nicht so schlimm. Wer es halt mag, der muss das doch machen dürfen in einer freien Gesellschaft. Sicher, es gibt Auswüchse oder Exzesse, Männer und Frauen können es mit der Sexualität zweifellos auch übertreiben, aber im Rahmen der Gesetze ist es tolerabel. Und Kinder sind doch tatsächlich in vielen Fällen etwas sehr Schönes, warum kann man das denn nicht offen sagen?

Alice Schwarzer hat geantwortet, dies sei „Stammtischsprache“ und „inkompetent“, die Ministerin sei „ungeeignet“. Das heißt, eigentlich müsste Kristina Schröder, wenn es nach Alice Schwarzer geht, jetzt zurücktreten. Aber eine Familienministerin muss sich doch wenigstens ein einziges Mal positiv über Kinder und über Sexualität zwischen Männern und Frauen äußern dürfen – das schuldet sie doch ihrem Job! Ohne Kinder kann es kein Familienministerium geben. Angenommen, die Ministerin sagt: „Sex mit Männern bedeutet Unterwerfung.“ Das ist so, als ob die „Bild“-Autorin Alice Schwarzer sagen würde: „Die ,Bild‘-Zeitung verbreitet Stammtischsprache.“ Das kann kein Mensch von ihr verlangen. Alice Schwarzers Kollegin Jessica aus Stendal, 20, hat gestern auf Seite eins als Covergirl von „Bild“ sogar ausdrücklich erklärt: „Es macht mich an, wenn Männer gut riechen.“ Soll die arme Jessica jetzt etwa zurücktreten?

Die Journalistin Alice Schwarzer (l) und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).
Die Journalistin Alice Schwarzer (l) und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).Foto: dpa

Dann hat Alice Schwarzer noch gesagt, der Feminismus sei die „folgenreichste soziale Bewegung des 20. Jahrhunderts“. Daraufhin habe ich mir die sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts näher angeschaut und bin auf den „Kommunismus“, den „Sozialismus“, den Befreiungskampf der Kolonialvölker und den „Faschismus“ gestoßen, in gewisser Weise ist sicher auch die Religion Islam eine soziale Bewegung. Und „folgenreich“ ist ja ein neutraler Begriff, „Folgen“ können positiv oder furchtbar sein. Dass der Feminismus folgenreicher gewesen ist als Faschismus, Islam, Antikolonialismus, Sozialismus und Kommunismus, nun, das ist zweifellos eine gewagte These. Sie läuft darauf hinaus, dass Alice Schwarzer, ihrer eigenen Ansicht nach, die Welt stärker verändert hat als Nelson Mandela, Mahatma Gandhi oder August Bebel. Auch das kommt mir übertrieben vor.

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