Schweinegrippe-Impfung : Übung für den Ernstfall

Ein Glück, dass die Schweinegrippe meist harmlos verläuft. Sonst würde der chaotische Umgang mit ihr viele Leben kosten

Gerd Nowakowski

Ein Glück, dass es nicht die Pest ist. In diesem Mediziner-Sarkasmus liegt schon das Beste, was über das gegenwärtige Impfchaos in Deutschland gesagt werden kann. Die Schweinegrippe kann schwere, auch tödliche Folgen haben, aber sie verläuft in der Regel eben doch relativ mild. Entschuldigen kann das freilich nicht, was impfwilligen Risikopatienten, Schwangeren oder verunsicherten Eltern seit Tagen in deutschen Arztzimmern zugemutet wird. Das Urteil über das komplette Chaos in Berlin mit einer Gesundheitssenatorin, die erst aus der Presse erfährt, dass der Wirkstoff in den Arztpraxen gar nicht ankommt, kann höchstens dadurch relativiert werden, dass es auch im besonders betroffenen Bayern nicht besser ausschaut. Ein Trauerspiel bleibt dennoch, was in Berlin geschieht – zu wenig impfwillige Ärzte, zu wenig Impfstoff, zu viel Bürokratie und nur eine einzige Apotheke, die den Wirkstoff verteilen darf.

Im Kern bleibt, dass die meisten Bundesländer zu spät den Impfstoff geordert haben und wegen der Produktionsschwierigkeiten des Herstellers die Lieferung der bestellten 50 Millionen Impfdosen sich bis ins Frühjahr 2010 ziehen wird. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Menschen sich erst massenweise für die Impfung interessieren, seitdem die Zahl der Infizierten rasant steigt. Der neue Gesundheitsminister Phillip Rösler will nun Engpässe beheben, um die Impfungen zu beschleunigen. Hört sich gut an; learning by doing, nennt man das bei Berufsanfängern. So wird die glücklicherweise meist harmlose Schweinegrippe zum Übungsfall des Föderalismus für eine künftige, gefährlichere Pandemie. Man muss die Schweinegrippe nicht gleich mit Notstandsgesetzen und dem Verbot von Massenveranstaltungen bekämpfen – wie Serbien es tut. Aber: Dort gab es bisher sieben Todesfälle, in Deutschland 13.

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