Schweinegrippe : Zumutbare Ungewissheit

Einige Medien stufen Ereignisse zu früh zu Katastrophen hoch und spekulieren auf den doppelten Nachrichtenwert. Denn: Wenn es nicht so schlimm ist wie gemutmaßt, können sie die Entwarnung bald hinterherschieben. Im Fall der Schweinegrippe ist die totale Entwarnung aber zu früh.

Kai Kupferschmidt

Im Umgang mit der Schweinegrippe geben manche Medien die Hure. Erst wird die Öffentlichkeit zum hysterischen Höhepunkt gepeitscht, dann kehren die Dominastiefel zurück in den Schrank. Der Kunde kommt ohnehin wieder. Jedes Schreckensszenario hat so gleich doppelten Nachrichtenwert. Einmal: Die Katastrophe kommt. Und dann: Die Welt ist gerettet, die Katastrophe hat uns verschont. Dabei ist die zweite Nachricht jetzt ebenso verfrüht, wie es die erste war. Natürlich, die US-Seuchenbehörde CDC meldet, der Erreger sei nicht so gefährlich wie der von 1918/19, und manche Virologen versuchen sich bereits vorsichtig an dem Wort „Entwarnung“.

Aber die Schweinegrippe überträgt sich offenbar leicht von Mensch zu Mensch. Das zeigen die zwei Fälle aus Bayern, wo sich eine Krankenschwester und ein Patient an einem Grippekranken infiziert haben. Ob das Virus sich nun weiter abschwächt und zum „normalen“ Grippevirus wird oder ob es an Aggressivität gewinnt und auch in Europa Menschen sterben? Keiner weiß es. Auch wenn das niemand gerne zugibt: Diese Ungewissheit muss man der Öffentlichkeit zumuten. Nur so findet sich ein Mittelweg zwischen Pandemie-Panikmache und Sorglosigkeit.

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