Meinung : Schwere Prüfung

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Kardinal Lehmann hat ein ungewöhnliches Forum gewählt, um seinen Mitbrüdern die Zeichen der Zeit vor Augen zu führen. Eindringlich beschreibt der oberste deutsche Bischof in einem Zeitungsbeitrag die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche, die durch die Fälle von Kindesmissbrauch durch Kleriker entstanden ist. Im eigenen Bistum hatte Lehmann zuvor erfahren müssen, dass seine Personalführung Hinweise nicht richtig zu deuten wusste. Spezifische Beschwerden eines Pfarrgemeinderats wurden zunächst als übliche Querelen abgetan, wie sie in vielen Pfarreien vorkommen. Belastendes Material wurde nicht geprüft und erst dann energisch durchgegriffen, als die Medien von der Sache Wind bekamen. Lehmann weiß, dass die deutsche Kirche das Problem von Kindesmissbrauch durch Kleriker kompetenter und energischer anpacken muss als bisher. Es fehlt an unabhängigen Ansprechpartnern, an einheitlichen Richtlinien und an Kooperation mit Fachleuten. Noch im Frühjahr war der Mainzer Kardinal beim Bischofstreffen mit seiner Initiative abgeblitzt, dies nach dem internationalen Vorbild auch hierzulande einzuführen. Sexueller Missbrauch, dachten die meisten Oberhirten, sei vor allem ein Problem der USA. Der Mainzer Kardinal ließ sich umstimmen. Das rächt sich nun. Mittlerweile werden jede Woche neue Fälle bekannt. Und die Zweifel wachsen, ob alle Diözesen dem Umgang mit Tätern und Opfern wirklich gewachsen sind. Im Herbst trifft sich die Bischofskonferenz wieder. Dann wird sich zeigen, ob Lehmanns Worten Taten folgen. M.G.

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