Update

Sebastian Edathy : Opfer seiner selbst

Sebastian Edathy beschuldigt Ermittlungsbehörden und Medien der Vorverurteilung. Gravierender aber ist möglicherweise etwas anderes: Ein Wort der Reue, der Entschuldigung, ist dem ehemaligen SPD-Abgeordneten bisher nicht über die Lippen gekommen.

von
Sebastian Edathy hat bereits zugegeben, kinderpornografisches Material bestellt zu haben, allerdings hält er dies für strafrechtlich irrelevant.
Sebastian Edathy hat bereits zugegeben, kinderpornografisches Material bestellt zu haben, allerdings hält er dies für...Foto: dpa

Wer ist Sebastian Edathy? Oder besser: Was ist er? Politiker? Ex-Abgeordneter? Privatmann? Unschuldiger? Täter? Edathy hat die Frage für sich erstmal so beantwortet – zumindest nach außen: Er ist Opfer. Opfer der Ermittlungsbehörden, die nichts Strafbares gegen ihn in der Hand hätten und dennoch öffentlichkeitswirksam seine Büros und Wohnungen durchsuchten. Dagegen geht er mit Dienstaufsichtsbeschwerden und Strafanzeigen vor. Opfer der Medien, die ihn ohne „Anstand“ an den Pranger stellten. Darüber beschwert er sich auf seiner Facebook-Seite.

Was er aber noch nicht gesagt hat, ist, dass er auch Opfer seiner selbst geworden ist – seiner Neigung, seines Krisenmanagements, seiner Tat, nicht im juristischen Sinne, aber moralisch-politisch. Ein Wort der Reue, der Entschuldigung, ist ihm bisher nicht über die Lippen gekommen. Dass er sich Material bestellt hat, deren Herstellung zahlreiche Kinder und Jugendliche bis heute traumatisiert – für ihn bis jetzt öffentlich kein Thema.

Außerdem: Wo ist der Pranger eigentlich? Ja, es gibt eine Facebook-Seite, auf der er zum Teil auf das Übelste angegangen und beleidigt wird. Sogar offene Mordaufrufe tauchen da auf. Das ist jenseits jeglichen Anstands, und völlig inakzeptabel. Die breite Berichterstattung und die Debatte wird aber dominiert von politischen Verwerfungen und möglichen Ermittlungsfehlern. Aber persönliche Angriffe auf ihn? Die kommen vor allem aus der eigenen Partei, die ein Ausschlussverfahren gegen ihn einleitet. Und auch das wird kritisiert. Deshalb: Worüber beschwert sich Edathy eigentlich, wenn er fehlenden Anstand kritisiert?


Autor

68 Kommentare

Neuester Kommentar