Seehofer und die CSU : Richtung Mannheim

Die CSU hat stark bei der Bundestagswahl verloren. Es gibt keine Garantie, dass es nicht noch schlimmer kommt.

Stephan-Andreas Casdorff

Er will die Wirklichkeit nicht sehen. Der enorme Stimmenverlust ist nicht bloß einer der Partei, sondern besonders seiner. Horst Seehofer ist nur noch CSU-Chef, weil die Christsozialen nicht schon wieder den Vorsitzenden wechseln können. Ein bisschen wie bei der SPD ist das, aber wie weiland unter Rudolf Scharping. Seehofers erratische Art der Führung, dieses Sprunghafte, Unausrechenbare, hält nur noch er für strategisch. Nun hat sich Seehofer im Wahlkampf dermaßen für Koalitionsverhandlungen festgelegt, dass er eigentlich nur noch umfallen kann – weil die CSU der mit Abstand kleinste der drei Partner ist. Und außer Angela Merkel, die an einer Demütigung der Schwester kein Interesse hat, gibt es für die CSU keine Garantie, dass es nicht noch schlimmer kommt. Es kann auch sein, dass sowohl Seehofer wie auch die Partei in den freien Fall übergehen, was Beliebtheit und Glaubwürdigkeit anbelangt. Darum wächst Karl-Theodor zu Guttenberg seit der Wahl von Tag zu Tag mehr Bedeutung zu, innerparteilich. In Erinnerung an den Sturz von Scharping: Seehofer kann von Glück reden, dass Mannheim nicht in Bayern liegt. Denn Guttenberg, der „Erststimmenkönig“ des Bundestags, müsste nur seine Stimme erheben, und seine Wahl zum Parteichef würde zum frühestmöglichen Zeitpunkt Wirklichkeit. cas

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