Seehofers Problem : Die CSU ist eine nackte Partei

Bei Franz Josef Strauß ging Modernisierung und Konservativismus noch zusammen. Der CSU von heute nimmt das kein Mensch mehr ab. Ihre Politik entpuppt sich als Maulheldentum.

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CSU-Chef Horst Seehofer und Generalsekretär Alexander Dobrindt
CSU-Chef Horst Seehofer und Generalsekretär Alexander DobrindtFoto: dpa

Die CSU war schon immer eine ganz ungewöhnliche Partei. Krachlederne Opposition gegen die in Berlin, seien es nun CDU, SPD oder FDP, verband sich bei ihr mit geschmeidigem Regierungsalltag. „Laptop und Lederhosen“ war dafür die treffende Formel. Bayerischer Konservativismus à la Ludwig II. für das Schaufenster und die wählenden Leute und dahinter eine knallharte Modernisierung, die Bayern neben Baden-Württemberg zum Wirtschaftswunderland geformt hat. Und so, wie Ludwig II. einst Bismarcks Geld nahm und dennoch gegen die Reichseinigung intrigierte, so überdeckte Franz Josef Strauß mit seiner Formel, dass es konservativ sei, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren, die Unvereinbarkeit eines genuinen Konservativismus mit der weißglühenden Modernisierung à la Edmund Stoiber.

Denn mit ebenjener Modernisierung höhlte die CSU gerade die Lebensformen aus, die ihr den Zuspruch und daraus folgend absolute Mehrheiten garantierten. Und so verbrauchte sie im Laufe der Jahre jene bayerische Traditionssubstanz, aus der sie ihre Legitimation bezog. Das blieb so lange unbemerkt, wie wirtschaftliche Zuwächse auch die historische Schaufensterdekoration fütterten. So konnte man den Mund spitzen und musste doch nicht pfeifen, man konnte auf die in Bonn und Berlin schimpfen und doch einträglich mit ihnen regieren.

Doch der glückliche Zustand, wo man zugleich dafür und dagegen, konservatives Unionsaushängeschild und treuer Mehrheitsbeschaffer war, neigt sich dem Ende zu. Das liegt zum einen daran, dass die Decke kürzer geworden ist und Zuwächse nicht mehr Widersprüche übertünchen können, zum anderen aber auch an neuen Problemen, die sich dem kraftvoll-rhetorischen Zugriff der CSU entziehen.

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