Seid al Hussein wird UN-Hochkommissar : Der jordanische Prinz und die Menschenrechte

Der jordanische Prinz Seid al Hussein ist der erste UN-Hochkommissar aus Asien und der muslimischen Welt. Das hat Vorteile.

Jan Dirk Herbermann
Foto: dpa

Seine Frau riet ihm nach der Wahl mit seinen New Yorker Freunden diesen „Moment der Freude“ noch einmal richtig zu feiern. In dem neuen Job als UN- Hochkommissar für Menschenrechte in Genf werde er seine Freunde schließlich noch sehr vermissen. Prinz Seid Ra’ad al Hussein, der aus der Haschemiten-Dynastie stammt, die unter anderem im Irak und in Jordanien Könige stellte, weiß, dass auf ihn brisante Aufgaben warten. Als Botschafter Jordaniens bei den Vereinten Nationen kennt er das internationale Parkett und seine Tücken.

Ab September soll der 50-jährige dreifache Vater nun von Genf aus den Kampf der Weltorganisation gegen Folter, Unterdrückung und Diktaturen in der ganzen Welt anführen. Die Problemfelder reichen von der Diskriminierung der Opposition in Russland über sexuelle Gewalt in vielen Konflikten Afrikas über den Bürgerkrieg in Syrien bis hin zu den Todeslagern für Regimegegner in Nordkorea. Dabei kann sich der UN-Hochkommissar nur auf seine Überzeugungskraft und die Einsicht der Regierenden verlassen – über formale Macht verfügt der oberste Hüter der Menschenrechte im UN-System nicht. „Ich werde der erste Hochkommissar aus Asien und aus der muslimischen und arabischen Welt“, sagt al Hussein.

Genau das sehen viele Diplomaten als Vorteil: Der jordanische Prinz wisse, wie man sich in arabischen und anderen muslimischen Ländern Gehör verschafft – und dort werden die Menschenrechte oft besonders grausam verletzt. Gleichzeitig kennt er den Westen: Sein Vater war Anwärter auf den irakischen Thron, seine Mutter stammt aus Schweden. Der Mann aus Amman wirkte bei der Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag an vorderster Stelle mit. Und während der Konflikte im früheren Jugoslawien in den 90er Jahren diente al Hussein in einer dortigen UN-Mission. Sein Vorschlag, das Vetorecht der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in bestimmten Fällen zu beschränken, damit sie keine schützende Hand über Regime halten können, denen Völkermord vorgeworfen wird, stieß bei Amerikanern, Russen und Chinesen auf wenig Gegenliebe.

Doch der enge Vertraute des jordanischen Königs Abdullah gilt als ein Mann, mit dem der Westen gut leben kann. Er studierte an der amerikanischen Johns-Hopkins- Universität, in Cambridge erwarb er einen Doktortitel. Später vertrat er sein Land als Botschafter in Washington.

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