Meinung : „Seid skeptisch, seid sehr, sehr skeptisch!“

Matthias Thibaut

Viele kritisieren den „Krieg gegen den Terror“, auch Exdiplomaten. Aber keiner tut es mit so viel Autorität wie Craig Murray. Immerhin ist er der einzige britische Diplomat seit Jahrzehnten, der als Überzeugungsdiplomat seinen Posten verlor – und einen Skandal auslöste. Skepsis gegenüber dem „Krieg gegen den Terror“ ist seither Murrays Lebenszweck. So horchte man auf, als er geballte Kritik an den Verhaftungen der 23 angeblichen britischen Flughafenbomber übte. Zuerst in seinem Internetblog, dann im „Guardian“ nannte er diese Verhaftungen „politisch motiviert“. Bush und Blair hätten die Verhaftungen angeordnet, da sich beide „in verzweifelter politischer Lage“ nach einem neuen 9/11 gesehnt hätten.

„Keiner dieser angeblichen Terroristen hat eine Bombe gebastelt. Keiner hat ein Flugticket gekauft. Viele hatten nicht mal Reisepässe.“ Das alles mache einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag unwahrscheinlich. Vielleicht, deutete der 47-Jährige an, habe es sich bei den vermeintlichen Terroristen nur um Aufschneider gehandelt. Wobei Richter und Exdiplomaten zwischen einem Aufschneider und einem Terroristen im Nachhinein leichter unterscheiden können als Polizisten, die im Voraus aktiv werden sollen.

Zum Kritiker am „Krieg gegen den Terror“ wurde Murray als Botschafter in Usbekistan. Er fand, die übliche „Cocktaildiplomatie“ mache im Land des ehemaligen kommunistischen Parteisekretärs Islam Karimov wenig Sinn und fuhr stattdessen mit dem Landrover durchs Land. Der Besuch eines Schauprozesses öffnete ihm die Augen. Seine diplomatischen Depeschen wiesen immer dringlicher auf die Menschenrechtssituation im Land hin. Während die Amerikaner dort riesige Militärbasen für den Krieg in Afghanistan bauten, kritisierte Murray die Foltermethoden des usbekischen Geheimdienstes. So wurde er unbequem. Als er sich auch noch eine usbekische Freundin nahm, ging dem Londoner Außenministerium das Fraternisieren zu weit. Im Februar 2005 musste er zurücktreten – obwohl die 18 Disziplinarvorwürfe, die man sich zur Begründung der Entlassung ausgedacht hatte, fast alle unhaltbar waren.

Murray nahm Rache an seinem Chef – und trat als Unterhauskandidat im Wahlkreis von Außenminister Jack Straw an. Eben ist sein Memoirenband „Mord in Samarkand“ erschienen, der mit Steve Coogan in der Hauptrolle verfilmt werden soll. Ein bisschen Publizität kann Craig Murray wohl ganz gut gebrauchen.

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