Meinung : „Selbst wenn die Syrer …

Clemens Wergin

… Panzer schicken, dieses Kapitel ist abgeschlossen.“

Libanon ist das Land der Clans. Und so ist es kein Wunder, dass der Name Dschumblatt wieder in aller Munde ist. Der Drusenführer Kamal Dschumblatt war 1977 im Bürgerkrieg ermordet worden – wohl vom syrischen Geheimdienst. Sein Sohn Walid wird nun, nach dem Mord an Oppositionsführer Rafik Hariri, zum schärfsten Kritiker der syrischen Besetzung.

Der 55-Jährige lebt im gut bewachten Familienpalast in den Schuf-Bergen, etwa 30 Kilometer südöstlich von Beirut. Anfang Februar hatte sich Dschumblatt noch mit seinem Mitstreiter Hariri getroffen. Damals soll Hariri zu ihm gesagt haben: „Ich habe das Gefühl, einer von uns wird getötet werden, entweder du oder ich.“ Walid Dschumblatt hat schon drei Attentate überlebt. Im September letzten Jahres überwarf sich der Führer der „Sozialistischen Fortschrittspartei“ endgültig mit den Syrern, weil er gegen die Verfassungsänderung war, die die Amtszeit des syrienfreundlichen Präsidenten Emile Lahoud verlängerte. Seitdem fürchtet er um sein Leben.

Dabei hatte Dschumblatt, der für seine abrupten Entscheidungen bekannt ist, im Angesicht des Irakkrieges noch einmal die Nähe Syriens gesucht. In einem vielzitierten Gespräch mit dem Kolumnisten der „Washington Post“, David Ignatius, hat er seine damalige Einschätzung inzwischen revidiert: „Es kommt mir seltsam vor, so etwas zu sagen, aber dieser Veränderungsprozess hat wegen der US-Invasion im Irak begonnen. Ich war kritisch gegenüber dem Irakkrieg. Aber als ich die Iraker vor einigen Wochen wählen sah, das war der Beginn einer neuen arabischen Welt.“

Nun soll diese Freiheit auch nach Libanon kommen. Menschen campieren Tag und Nacht am Krater, den die Bombe riss, die Hariri tötete. Trotz Demonstrationsverboten gehen Zehntausende auf die Straße und fordern „Syrien raus!“. „Das syrische, das ägyptische Volk, alle sagen, dass sich etwas ändert. Die Berliner Mauer ist gefallen. Wir können es sehen“, sagt Dschumblatt. Bis zum Mai, da ist er sich sicher, sind die Syrer aus Libanon draußen. Denn dann stehen Parlamentswahlen an und die Libanesen haben genug von syrischen Wahlmanipulationen. „Das gesamte libanesische Volk will Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie“, sagt Dschumblatt. „Und ich bin nur einer von diesen Leuten.“

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