Meinung : Serbien: Aufgeschoben

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Zum Thema Online Spezial: Wie geht es weiter mit Milosevic? Das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag galt in Belgrad lange als Inbegriff einer antiserbischen Verschwörung. Die Idee, Slobodan Milosevic dorthin zu verfrachten, mobilisierte nationale Affekte. Eine Auslieferung - das wäre der Auskauf der nationalen Souveränität. Auch als Milosevic Anfang April verhaftet wurde, schien es eher auf eine Anklage in Belgrad wegen Korruption hinaus zu laufen. Doch der Wind hat sich gedreht - das jugoslawische Kabinett, auch Präsident Kostunica, hat sich an den Gedanken gewöhnt, dass Milosevic in Den Haag angeklagt wird. Die Verbrechen des Regimes sind monströs - das sehen heute in Belgrad viele so. Und eine Anklage wegen Korruption: Das wäre ungefähr so wie der Prozess gegen Al Capone wegen Steuerhinterziehung. Hinzu kommt, dass der Fall Milosevic einfach stört, dass er den Neubeginn blockiert, nach dem sich das ruinierte Land sehnt. Milosevic in Den Haag, das wäre ein Zeichen: Abschied von gestern, endgültig. Doch das jugoslawische Parlament, wo die Sozialisten noch stark sind, will nicht mitziehen. Ein riskanter Kurs, schon weil der Westen eine Milliarde Dollar Kredite daran koppelt. Die Auslieferung scheint damit eher, auf unbestimmte Zeit, verschoben als aufgehoben zu sein. Dass Jugoslawien Kriegsverbrecher ausliefert, ist übrigens 1993 in Dayton festgelegt worden. Unterschrieben von - Slobodan Milosevic.

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