Meinung : Sex, Politik, Religion

„Setzen Sechs“ vom 22. September und „Privatsache“ vom 29. September

In unserer Gesellschaft gibt es drei große Bereiche, die jeder individuell erlebt: Sexualität, Politik und Religion. Da sollte „jeder nach seiner Fasson selig werden“. Dieses Recht im Privaten bedeutet aber nicht die Erlaubnis, ständig öffentlich seine intime Einstellung zu demonstrieren. Ich bin dafür, dass Schwule heiraten und rechtlich gleichgestellt werden, aber es würde mich nerven, wenn etwa Arzt und Assistenzarzt Küsschen austauschen, weil sie „bekennende Homosexuelle“ sind, während ich auf meine OP warte. Jeder Lehrer sollte eine politische Meinung haben, aber ich würde ihn bekämpfen, wenn er diese Meinung im Unterricht zur Schau stellte, selbst wenn es sich dabei um die von mir favorisierte Partei handelte. Genauso irritiert wäre ich über eine Sprechstundenhilfe oder eine Kassiererin, die, anstelle mich neutral zu bedienen, mir ihr Parteibuch unter die Nase hielte. Und wir sind stolz auf die Religionsfreiheit, aber sie ist Privatsache! Eine „bekennende Muslima“, die deshalb meint, ein Kopftuch in der Öffentlichkeit, vor allem im Beruf tragen zu müssen, ist nicht nur lästig, sondern in staatlichen Institutionen auch fehl am Platz, weil eine Trennung von Staat und Religion gesetzlich verankert ist.

Natürlich haben wir auch ein Demonstrationsrecht. Würden Muslimas für Verhüllung demonstrieren und es gäbe eine Parade mit Kopftuchträgerinnen aller Art samt Schador und Burka, könnte das ganz reizvoll sein. Aber das wäre eine angemeldete Demonstration, die man sich anschauen könnte oder nicht.

Jeff Säffbois, Berlin-Moabit

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