Meinung : Sexualstraftaten: Zu viel Oberwasser

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Es ist das Schlimmste, was sich denken lässt. Ein kleines Mädchen verschwindet spurlos und wird irgendwann wiedergefunden - tot, ermordet von einem Sexualstraftäter. So ein Verbrechen stellt den Täter außerhalb der Gesellschaft. Da hat der Kanzler ganz recht. Mit dieser Feststellung trifft er die Empörung der Menschen. Er trifft sie vielleicht noch besser mit seiner Forderung, solche Täter "wegzusperren, und zwar für immer". Das wiederum ist reiner Populismus. Denn der Jurist Gerhard Schröder weiß natürlich, dass im deutschen Strafrecht ein generelles "Wegsperren für immer" nicht möglich ist. Täter sollen die Chance zur Reue und zu einer Rückkehr in die Gesellschaft haben. Der Verbalradikalismus tröstet die Eltern der kleinen Julia wenig. Er bringt ihnen die Tochter nicht zurück. Aber will Schröder tatsächlich in einer Gesellschaft leben, die Verbrecher für immer wegschließt? Warum nicht gleich die Todesstrafe? Der Kanzler erlaubt sich vieles - und er kann es, weil die Opposition ihm derzeit nicht Paroli zu bieten vermag. Das bekam nun auch die FDP zu spüren. Wochenlang hatte er offen mit ihr geflirtet, jetzt beschied Schröder die Liberalen, er wolle nur mit den Grünen weiterregieren. Politisch hat er die FDP damit vorerst ausgesperrt. Für immer? Na ja, was das halt so heißt bei einem Kanzler, der zu viel Oberwasser hat, sich alle Optionen offenhalten und langsam in Wahlkampfstimmung kommen möchte.

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