Sicherheitspolitik : Krieg der Knöpfe

Drohnen, Viren, Abhörsysteme: Lässt sich Frieden schaffen mit immer klügeren Waffen?

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Manchmal formen drei disparate Meldungen ein Bild. Dabei müsste jeder dieser Meldungen ein „angeblich“ vorangestellt sein. Denn ganz sicher, was an ihnen Tatsache oder gezielt gestreutes Gerücht ist, kann keiner sein.

Doch der Reihe nach. Laut verschiedener Medienberichte haben die USA durch Drohnenangriffe auf Al-Qaida-Stützpunkte in Pakistan Terroranschläge in Europa vereitelt. Wichtige Informationen kamen wohl auch von einem deutschen Terroristen, der in Afghanistan interniert ist. Drohnen sind ferngesteuerte unbemannte Flugzeuge, die mit Raketen ausgestattet sind. Der US-Geheimdienst CIA hat in diesem Monat im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan mehr Angriffe mit Drohnen geflogen als je zuvor. Drohnen sind zur wichtigsten Waffe im Kampf gegen den Terror geworden.

Meldung zwei. Die Regierung von Barack Obama will die Kommunikationsdienste im Internet abhören. An einem entsprechenden Gesetz wird bereits gearbeitet. Es soll den amerikanischen Geheimdiensten ermöglichen, praktisch jede Online-Kommunikation weltweit abzuhören, ob verschlüsselt oder nicht. Auch E-Mail-Dienste wie Blackberry, Webseiten wie Facebook und Telefondienste wie Skype wären betroffen.

Meldung drei. Eine Cyber-Attacke mit dem Computervirus „Stuxnet“ hat 30 000 Rechner iranischer Atomanlagen infiziert. Die Rede ist von einem „digitalen Erstschlag“. Das Ziel der Angriffe ist offenbar sowohl das Atomkraftwerk von Buschehr als auch die Urananreicherungsanlage von Natans. Die Indizien deuten auf ein Werk westlicher Geheimdienste hin. In Fort Meade, im US-Bundesstaat Maryland, ist seit vier Monaten die neu gegründete Cyberwar-Behörde „United States Cyber Command“ (CyberCom) aktiv. Sie hat etwa tausend Mitarbeiter, ist dem Pentagon unterstellt und soll offiziell die Sicherheit von 15.000 Computernetzwerken der 4000 US-Militärbasen in 88 Ländern garantieren. Inoffiziell wird jedoch auch an offensiven Fähigkeiten, sprich: Cyber-Waffen, gearbeitet.

Der Krieg der Knöpfe: Panzer, Maschinengewehre und Kampfjets verabschieden sich, das Schlachtfeld der Zukunft ist digital. Den Irak haben die US-Kampftruppen verlassen, auch in Afghanistan intensiviert sich die Suche nach Ausstiegsszenarien. Der neokonservative Glaube an die segensreiche Wirkung gewaltsamer Demokratieexporte hat sich als Illusion entpuppt. Traditionelle Kriege sind außerdem unpopulär und sehr, sehr teuer. Kein Wunder, dass vor allem die US-Regierung verstärkt auf Hightech setzt. Zu Stuxnet zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen Experten mit dem Satz: „So etwas bauen große Staaten zusammen, wenn die Alternative bei einem Misserfolg wäre, einen Krieg anzufangen.“

Fürwahr, Cyber-Sabotage ist womöglich unblutiger, billiger und effektiver, als es ein traditioneller Militärschlag gegen Irans Atomanlagen wäre. Technik gegen Terror: Das ist, abgesehen von vielen berechtigten Einwänden, auch eine neue Vision.

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