Meinung : Sie können auch anders

Indonesien, das größte muslimische Land, feiert ein Jahr wahre Demokratie

Moritz Kleine-Brockhoff

Gute Nachricht aus der islamischen Welt, das größte Land feiert den ersten Geburtstag seiner stabilen Demokratie: Indonesien. In dem südostasiatischen Staat, wo gut 200 der 230 Millionen Menschen Muslime sind, regiert seit einem Jahr der direkt gewählte Präsident Susilo Bambang Yudhoyono. Die Initialen SBY sind sein geläufiger Spitzname. Bei Amtsantritt war Schlimmes befürchtet worden. Mit SBY, einem General im Ruhestand, könne der Militarismus zurückkehren. Soldaten hatten Indonesien jahrzehntelang regiert, und Yudhoyono gehörte zu der Clique. Unter Yudhoyono könnten die kleinen Islamparteien an Einfluss gewinnen. Außerdem war befürchtet worden, er könne schlicht scheitern. Das hätte Indonesiens junge Demokratie gefährdet.

Nichts davon ist eingetreten. Yudhoyono hat gut regiert und sich in der politischen, gesellschaftlichen und religiösen Mitte so breit gemacht, dass niemand mehr an ihm vorbeikommt. Wer gegen den populären Präsidenten opponiert, isoliert sich. Im Parlament sind mittlerweile fünf der sieben Fraktionen im SBY-Lager. Überdies ist der Regierungschef volksnah. Er beginnt seinen Tag mit dem Lesen von SMS-Nachrichten, die Bürger ihm per Handy schicken können.

Und: Yudhoyono nahm den Kampf gegen Indonesiens unfassbar große Korruption auf. Politiker, Geschäftsleute und Diebe wurden verhaftet, verdächtige Richter werden untersucht. Natürlich sind Arbeitslosigkeit und Armut nicht verschwunden, aber immerhin wächst die Wirtschaft. Unter SBY haben sich Auslandsinvestitionen verdoppelt, Inlandsinvestitionen und Konsum stiegen ebenfalls. Erstmals seit der Zeit vor der Asienkrise 1998 gleicht Jakarta wieder einer großen Baustelle.

Bei so viel Gutem wird SBY leider viel Negatives verziehen. Die Korruptionsbekämpfung hört auf, wo sein Kabinett beginnt. Dort sitzen Minister, um die sich die Staatsanwaltschaft kümmern müsste. Yudhoyonos Bekenntnis zur Religionsfreiheit folgte Stille, als radikale Muslime Gebetsräume von Christen schlossen. Der Präsident erschien passiv, als ein Mob Moscheen sowie Wohnhäuser von Mitgliedern der islamischen Sekte Ahmadijah anzündete, die unter Muslimen umstritten ist. SBY konnte sich auch nicht dazu durchringen, die Existenz der Terrorgruppe „Jemaah Islamijah“ anzuerkennen und diese zu verbieten. Doch all das bedeutet nicht, dass der Muslim Yudhoyono Intoleranz und Gewalt billigt. Er geht hart gegen Terroristen vor.

Interreligiöse Konflikte und Terroranschläge, zuletzt wieder auf Bali, sind schlimm. Und sie schaden Indonesien. Doch im größten islamischen Land der Welt können die wenigen Fundamentalisten und Militanten nur stören. Sie haben keine Chance, Massenbewegung zu werden. Kaum ein Indonesier will einen Gottesstaat, die Demokratie wird verteidigt.

Sie wächst seit dem Sturz des Militärregimes vor sieben Jahren und ist stabil, seit 2004 Parlament und Präsident frei und friedlich gewählt wurden. Die direkte Präsidentschaftswahl war seinerzeit eine Premiere in der islamischen Welt. Sieger Yudhoyono ist im ersten Amtsjahr so weit wie möglich den Wünschen der großen Mehrheit im Land gefolgt. Gut so. Seine Politik bewahrt die bemerkenswerte Stabilität eines multireligiösen Vielvölkerstaates. Das islamische Indonesien ist aus eigener Kraft da, wo Afghanistan und der Irak durch US-Intervention künstlich hingebracht werden sollen.

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