Meinung : Sie kommen im Frühjahr

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Die Entwicklung in Afghanistan ist bedenklich. Die Taliban sind zurück, die Angriffe auf Nato-Truppen nehmen zu. Noch ist das Land nicht in Chaos und Bürgerkrieg versunken wie der Irak. Aber es ist auf dem Weg dorthin. Die Nato-Staaten scheuen die offene Debatte, aus innenpolitischen Gründen. Präsident Bush hat nun die Verdoppelung der US-Truppen angekündigt und weitere Milliarden Wiederaufbauhilfe. Beides ist nötig, die Nato ist mit nur gut 30 000 Mann dort – mit etwa so vielen wie anfangs im Kosovo. Afghanistan ist jedoch 65-mal so groß, und dort sind die Gegner kampferprobt. Der Westen darf diesen Kampf gegen den Terror nicht verlieren, es ist der richtige und legitime im Vergleich zu Irak. Aber Bushs Plan stößt schon in Amerika kaum auf Resonanz, die USA sind mit Irak beschäftigt. Er wird die Alliierten nicht mitziehen, seine Führungskraft ist zerstört. Deutschland sieht sich schon mit der Bitte um die Aufklärungstornados am Rand des Erträglichen. Eine Verdoppelung des Bundeswehrkontingents ist reine Illusion, bei den Verbündeten ist es ähnlich. Afghanistan nimmt jedoch keine Rücksicht darauf, was dem Westen innenpolitisch zumutbar ist. Das gibt ein böses Erwachen, wenn im Frühjahr die Taliban aus den Bergen kommen. cvm

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