Meinung : Sie verraten sich

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Wer absichtlich einen unschuldigen Menschen tötet, begeht einen Mord. Die gezielte Ermordung vieler Zivilisten ist Terrorismus. Israel hat sich bislang darauf berufen können, dass seine Armee im Unterschied zu den palästinensischen Selbstmordattentätern nicht terroristisch agiere. Seine Soldaten zielen prinzipiell nicht auf Zivilisten. Deren Tod allerdings wird in zunehmendem Maße nicht mehr bloß als eine manchmal unabwendbare Folge in Kauf genommen, sondern es wird offenbar kaum noch Vorsorge getroffen, solcher Art Kollateralschäden zu vermeiden. Wie sonst lässt es sich erklären, dass bei dem Bombardement eines bewohnten Gebietes in Gaza-Stadt neun Kinder ums Leben kamen? Seit Ausbruch der zweiten Intifada hat Israel wahrscheinlich schon mehr palästinensische Zivilisten „unabsichtlich“ getötet, als extremistische Palästinenser absichtlich israelische Bürger umbrachten. Die Moral und das Kriegsrecht kennen das Gebot der Proportionalität. Auch im Verteidigungsfall ist nicht alles erlaubt, was nützlich erscheint. An ethische Grundsätze zu erinnern, die fast täglich im Nahen Osten verletzt werden, ist freilich anstrengend geworden. Denn in der Regel bleiben alle Verdammungen folgenlos. Deshalb erfüllen auch die Vereinten Nationen nur ihre Pflicht, wenn sie sich – wieder einmal – mit der jüngsten Eskalation befassen. Eine offizielle Verurteilung unterblieb nach amerikanischem Einspruch. Was bleibt, ist Trauer. Eine glorreiche Armee, die einst wagemutig den zionistischen Traum verteidigte, ist heute dabei, ihre Werte zu verlieren. mal

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