Meinung : Sieg über die Angst

EU-REFERENDUM IN LITAUEN

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Es wirkt schon fast wie Routine: In Malta, Slowenien und Ungarn haben die Bürger bereits für die EUMitgliedschaft gestimmt. Wen wundert’s im Westen? Die Neuen profitieren vom Beitritt. Doch so klar liegen die Dinge nicht. Für Litauen sagten die Umfragen zwar eine Zweidrittelmehrheit voraus. Aber ein Scheitern war möglich, mehr noch als in Malta, wo die Abstimmung denkbar knapp ausgefallen war. Selbst die Regierung zweifelte, ob die nötigen 50 Prozent der Bürger abstimmen. Für die Balten hatte das Referendum eine besondere Bedeutung: Vor zwölf Jahren standen noch sowjetische Truppen in Vilnius. Das Land hat sich die Unabhängigkeit schmerzhaft erkämpfen müssen. In der älteren Generation sitzt die Angst davor tief, dass statt Moskau nun Brüssel die Souveränität beschneidet. Am Ende hat die Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch den EU-Beitritt über Skepsis und Politikverdrossenheit gesiegt und die Wähler mobilisiert. Für die junge Demokratie ist das ein beachtlicher Erfolg. Nicht nur Litauen hat Grund zum Feiern, sondern ganz Europa: Ein Scheitern hätte den gesamten Einigungsprozess beschädigen können. Besonders aufmerksam wird das Referendum in Polen verfolgt: Dort wird im Juni gewählt – mit einer ähnlichen Hürde. Das Ergebnis aus Litauen dürfte den Europa-Befürwortern in Polen Auftrieb geben. vs

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