Siemens : Vollmacht für Revolution

Erst die Korruptionsaffäre macht den radikalen Umbau des Siemens-Konzerns möglich, den Peter Löscher seit vergangenen Sommer betreibt. Eine Ironie der Geschichte ist das. Denn niemand hatte ihn auf dem Zettel, als er antrat, und jetzt hinterlässt er mehr Spuren als die meisten seiner Vorgänger.

Die neue Führung begnügt sich nicht damit, aufzuräumen und ein ohnehin schon sehr profitables Unternehmen zur Ruhe zu bringen. Stattdessen werden überall die alten Möbel entrümpelt, dass es nur so staubt. Lehrbuchartig eindeutige Strukturen und extrem ehrgeizige Ziele sollen Siemens an die Weltspitze führen. Überraschend ist, dass sich ausgerechnet jetzt die sonst stets zurückhaltende Familie zu Wort meldet. Sie ist immer noch der größte Einzelaktionär des 160 Jahre alten Unternehmens, und sie gibt Peter Löscher eine Blankovollmacht für die Revolution. Ihm gelingt damit eine kleine Sensation nach all den großen Sensationen seiner noch kurzen Amtszeit. Vor allem aber stiftet die Erklärung etwas von dem Zusammengehörigkeitsgefühl, das die 400 000 Siemensianer brauchen, um die Affäre abzuschütteln und die gewünschten Traumrenditen auch zu liefern. mod

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben