Simbabwe : Die letzten Tage des Tyrannen

In Simbabwe herrscht Diktatorendämmerung. Dass es für Machthaber Mugabe soweit kommt, hat er sich selbst zuzuschreiben. Doch es muss viel passieren, damit aus dem geschundenen Land wieder das Juwel Afrikas wird. Ein Kommentar.

Wolfgang Drechsler
robert mugabe
Robert Mugabe. Ist seine Regierungszeit in Simbabwe jetzt am Ende? -Foto: dpa

Alte Männer, die zu lange an der Macht waren, finden selten den richtigen Zeitpunkt, um in Würde abzutreten. Robert Gabriel Mugabe ist nur eines der schlimmeren Beispiel dafür. Obwohl sich die Simbabwer lieber heute als morgen des 84-Jährigen und seines korrupten Regimes entledigen würden, krallte sich der Diktator bislang mit allen Mitteln an die Macht. Doch nun herrscht Diktatorendämmerung. Zum ersten Mal in den fast 30 Jahren seiner Herrschaft hat es den Anschein, als ob Mugabe die Macht entgleitet und sich sein eiserner Griff um das Land lockert. Offenbar ist der Despot, der sich zuvor wie kaum ein anderer an die Macht geklammert hat, angesichts der Höhe seiner Wahlniederlage und der immer tieferen Risse innerhalb der eigenen Partei nun doch bereit, über die Konditionen seines Rückzugs zu verhandeln.

Dass es so weit gekommen ist, dass Mugabe seine Zukunft jetzt offenbar hinter verschlossenen Türen aushandeln muss, hat er sich selber zuzuschreiben: Jahrelang hat er alle Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen enttäuscht und die einst blühende Zivilgesellschaft seines Landes demontiert. Die Strafe folgte prompt: Völlig isoliert von den Realitäten hatte Mugabe anscheinend nie erwartet, dass sich sein Volk so massiv von ihm abwenden und in Scharen zu Morgan Tsvangirai und dessen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) desertieren würde. Der Kantersieg der Opposition bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen hat es dem Regime diesmal unmöglich gemacht, das Wahlergebnis wie bei früheren Urnengängen zu manipulieren. Nach den vielen Grausamkeiten gegen die eigene Bevölkerung geht es Mugabe nun allein noch darum, eine Anklage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu umgehen.

Die Ära Mugabe geht zu Ende. Doch nur, wenn der Despot jetzt wirklich geht und seine Unterdrückungsmaschinerie komplett demontiert wird, hat Simbabwe eine Chance, seine lange Spirale des Niedergangs zu durchbrechen. Dann könnte es in vielleicht zwei Generationen wieder zu dem zu werden, was es einmal war: der Juwel Afrikas.

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