Simbabwe : Es zerreißt die Gemeinden und spaltet die Familien

Post aus Simbabwe: Ein katholischer Priester berichtet von den Gräueltaten Mugabes.

Pater Anonymus*

Nachdem ich einen jungen Familienvater und werdenden Politiker, dem man als Kandidaten für die "verkehrte" Partei das Haus abgebrannt hatte, mit dem Lebensnotwendigsten versorgt hatte, bat er mich um Rat: Seine Kollegen wollten Rache üben und den Brandstiftern der herrschenden Partei nun ihrerseits die Häuser einäschern. Das sei aber doch wohl nicht sehr christlich? Und wie sähe ich das politisch? Ich gebe ihm recht, es ist weder christlich noch politisch sehr klug. Es wäre der Beginn eines Bürgerkrieges. Der "Alte Mann" (Mugabe) versuche ja ohnehin ständig, der Opposition die Schuld an Gewalttaten, Morden und Brandstiftungen in die Schuhe zu schieben. Racheakte würden ihm gut in seine lügnerische Propaganda passen.

Etwas sehr Trauriges erfahre ich später von einem Mitbruder: Unter den Bösewichten, die ihrem politischen Gegner das Haus angezündet haben, ist auch ein führendes Mitglied derselben Pfarrgemeinde. Aus unserer eigenen Gemeinde habe ich erfahren, dass ein Hauswirt seinen Untermieter auf die Straße gesetzt hat, weil der (angeblich) zur Opposition gehört. Politik ist hier kein Spaß. Es ist eine todernste Sache. Es zerreißt die Gemeinde, es spaltet Familien. Wie so vieles erinnert dies an den Krieg vor dreißig Jahren, als ein Bruder schwarzer Befreiungsheld war und ein anderer im Heer der weißen Minderheitsregierung diente.

Trotzdem: Viele Christen sind, eben weil sie Christen sind, dem Diktator nicht einfach ergeben. Sie stellen das Regime infrage, haben Bedenken, auch wenn sie das nicht öffentlich sagen können. Sie hören schließlich das Wort Gottes. Wenn sie in den Psalmen und Propheten von den "Frevlern" hören, wissen sie, wer damit heutzutage gemeint ist. Jedenfalls lasse ich daran keinen Zweifel. In einem Interview mit einem Sender in Europa wurde ich gefragt, wie die Kirche denn so eine Gegnerschaft dem Regime gegenüber mit der Pflicht zu Dialog und Versöhnlichkeit vereinbaren könne? Meine Gegenfrage war: Kann es Dialog geben mit Hitler, mit Tyrannen und ihrem unbedingten Willen zur Macht?

Unsere Bischofskonferenz hat gemeinsam mit dem Kirchenrat und dem Bund der Evangelikalen ein Arbeitspapier zur Diskussion über die Zukunft des Landes vorgelegt. Auch die Regierung sollte an dem Dialog beteiligt werden. Die hat dann prompt all das aus dem Text entfernt, was ihrer Gewaltpolitik widersprach, vor allem die Forderung nach einer frei vom Volke zu bestimmenden neuen Verfassung. Das Regime lässt sich nichts von der Kirche sagen, im Gegenteil versucht es, sie zu manipulieren, für ihre Zwecke zu missbrauchen und im Zweifelsfall unter massiven Druck zu setzen. Das naiv nicht sehen zu wollen, ist nicht die Tugend der Versöhnlichkeit, sondern Verblendung. Es ist eine Sache der Unterscheidung der Geister, wann man "einfältig wie die Tauben" und wann man "schlau wie die Schlangen" sein muss.

Das Regime meinte, sie hätten die Anglikanische Kirche im Griff, als es "Parteifreunden" in der Synode gelang, einen dem Regime ergebenen Bischof durchzusetzen. Der ließ sich von der Regierung bestechen durch das Geschenk einer großen Farm. Dafür pries er den Präsidenten als "Mann Gottes". Die Kirche setzte ihn ab und hat ihn jüngst sogar exkommuniziert. Im Gegenzug verfolgt die Polizei all die Anglikaner, die dem neu eingesetzten Bischof, der ein Regimekritikerist, loyal folgen. Die Kathedrale und viele Kirchen sind noch in den Händen des abtrünnigen Bischofs und seiner wenigen Gefolgsleute, weil das Regime es so will.

In dieser Situation ist an eine landesweite Debatte nicht zu denken. Viele Gläubige wagen es nicht, sich mit dem Arbeitspapier zu befassen. Das ist ,politisch' und daher gefährlich. Angst lähmt alles. ,Politisch' heißt: Das ist Sache der Herrschenden, also Hände weg! Wenn wir die Polizei über eine kirchliche Prozession informieren, zu Fronleichnam etwa, heißt es in der Antwort der Polizei: Jede Art von ,politischer' Rede ist untersagt.

Es gibt eine Zeit für Dialog und Versöhnlichkeit. Es gibt aber auch die Zeit für kompromisslose prophetische Rede. Diese Zeit ist jetzt gekommen. Jedes freie Wort ist gefährlich. Es muss totgeschlagen werden. Die Medien sind weithin "gleichgeschaltet". "Displaced persons", also Flüchtlinge, die dem Terror gegen die Wähler der Opposition auf dem Lande entflohen sind, berichten uns, dass die Funktionäre der "herrschenden Partei" selbst das Gebet um Frieden in den Kirchen für eine feindliche Geste halten. Dieses eine Mal muss ich ihnen sogar recht geben: Da sie dem Volk den Krieg erklärt haben, ist das Gebet um Frieden ein Widerspruch, ein Akt der Auflehnung. Der Druck auf die Bevölkerung ist ungeheuer. Immer wieder werden Gegner grausam zusammengeschlagen (die privaten Krankenhäuser in Harare sind voll von den Opfern) und ermordet.

Das ist die Warnung: "So wird es euch ergehen, wenn ihr bei der Stichwahl am 27. Juni (zwischen Mugabe und dem eigentlichen Wahlsieger vom 29. März, Morgan Tsvangirai) nicht ,richtig' wählt!" Aber Arbeitslosigkeit, Inflation, Schulen ohne Lehrer und Krankenhäuser ohne Medikamente und die grassierende Aids- Seuche machen auch dem Letzten klar: Diese Regierung ist am Ende. Wir müssen über die Zukunft nachdenken: Das mache ich durch Schreiben und, soweit möglich, Publizieren. Einstweilen danke ich für alle Hilfe, die es uns ermöglicht, mit den Menschen in ihrer Bedrängnis auszuharren und manch einen am Leben zu erhalten.

* der Name des Autors ist der Redaktion bekannt.

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