Simbabwe : Keine Kritik an Afrikas Amokläufer

Robert Mugabe hat erstmals offiziell eine Wahl verloren. Doch der Rest des Kontinents schweigt.

Wolfgang Drechsler

Es mutet geradezu unglaublich an, dass Simbabwes Diktator Robert Mugabe und seine Zanu-Partei die Parlamentswahl vom 29. März nun doch verloren haben. Die gestern – nach vier Wochen – abgeschlossene Überprüfung umstrittener Wahlkreise hat jedenfalls nur das bestätigt, was die Wahlkommission bereits längst verkündet hatte: den deutlichen Wahlsieg der Opposition. Unbekannt bleibt das Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Doch selbst hier kann Mugabe allenfalls noch eine Stichwahl gegen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai erreichen – eine Wahl, die er unter normalen Umständen unmöglich gewinnen kann.

Dass es zu dieser Sensation kommen konnte, hat zwei Gründe: Zum einen ließ sich das Regime auf die (völlig unterschätzte) Konzession ein, die Resultate gleich nach der Auszählung vor allen Wahllokalen auszuhängen. Dort wurden sie von unabhängigen Beobachtern mit Handys fotografiert und an ein unabhängiges Wahlzentrum nach Südafrika geschickt. Während Mugabe und seine Helfershelfer noch das Ergebnis der Wahl zu fälschen versuchten, schickte die Opposition bereits die nachweisbaren Resultate um die Welt. Dass Mugabe seine Niederlage nicht in einen Sieg verkehren konnte, lag aber auch daran, dass ihm wegen der desolaten Wirtschaftslage einfach die Mittel fehlten, um seine ländliche Klientel bei der Stange zu halten. Selbst in vielen seiner Hochburgen auf dem Land siegte die Opposition.

Bereits jetzt ist klar, dass der 29. März für die junge Geschichte Simbabwes, ja für ganz Afrika, einen ähnlich tiefen Einschnitt bedeutet wie das Ende der Apartheid im benachbarten Südafrika vor 14 Jahren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Mugabe jetzt mit brutalem Terror versucht, eine mögliche Stichwahl zu seinen Gunsten zu entscheiden. Nach 28 Jahren hat der 84-Jährige nun auch offiziell erstmals eine Wahl verloren. Es kann als ausgeschlossen gelten, dass sich die Mehrheit der Wähler in einer Stichwahl ausgerechnet für jenen Mann entscheidet, der Simbabwe fast im Alleingang wirtschaftlich ruiniert und rund vier seiner 13 Millionen Menschen aus dem Land getrieben hat.

Von entscheidender Bedeutung ist nun die Reaktion Afrikas, das der Selbstzerstörung Simbabwes aus einer falsch verstandenen Solidarität mit dem einstigen Befreiungshelden jahrelang wortlos zugeschaut hat – und dadurch nicht nur das Leiden der Menschen dort um Jahre verlängert, sondern dem gesamten Kontinent schweren Schaden zugefügt hat. Der Ruch, dass hier ein ganzes Land in Schutt und Asche gelegt wird, nur weil sein Diktator glaubt, nach der „Befreiung“ seines Landes vom weißen Kolonialjoch einen Blankoscheck auf die Macht zu haben, wird Afrika noch lange anhaften.

Dessen Eliten sind träge und ihre Lösungen entsprechend einfach: Sie warten auf Mugabes Tod oder darauf, dass er die Macht nach einer Stichwahl vielleicht doch an einen handverlesenen Schurken aus den eigenen Reihen weiterreicht. Das wäre ein Desaster. Denn das Zanu- Regime ist genauso korrupt und ausgebrannt wie Mugabe selbst. Der deutliche Wahlsieg der Opposition zeigt, dass die Menschen in Simbabwe der Machtclique in Harare überdrüssig sind und sich nach einem klaren Bruch mit der Vergangenheit sehnen.

Bis jetzt, bis zum allerletzten Moment der Mugabe-Tyrannei, fehlt ein klares Bekenntnis des Kontinents gegen den Amokläufer in seiner Mitte. Bislang haben Afrikas Führer nur eine schnellere Veröffentlichung der Wahlergebnisse angemahnt. Kritik an Mugabe und seiner neuen Terrorkampagne gibt es nicht. Solange Afrikas Führer Despoten wie Mugabe trotz schlimmster Menschenrechtsverstöße schonen, muss sich niemand wundern, dass der Kontinent nach den immer gleichen Regeln ins Elend stürzt. Simbabwe wird nun zeigen, ob seine mutigen Menschen mit der Abwahl ihrer Unterdrücker wirklich den Grundstein für eine bessere Zukunft gelegt haben.

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