Simbabwe und Südafrika : Pack verträgt sich

Die stille Diplomatie von Südafrikas Präsident Mbeki gegenüber Simbabwe hat sich als grandioser Fehlschlag erwiesen und diskreditiert sein Land in aller Welt.

Wolfgang Drechsler

Was muss in Simbabwe, diesem ehemals blühenden und dann heruntergewirtschafteten Land, eigentlich noch passieren, ehe Südafrikas Präsident Thabo Mbeki endlich reagiert? Obwohl Robert Mugabe, der stur an seinem Amt klebende Staatschef Simbabwes, das eigene Volk seit Jahren blutig drangsaliert und nun sogar das Ergebnis der offenbar von ihm verlorenen Präsidentschaftswahl geheim hält, kann Mbeki beim nördlichen Anrainer nicht einmal eine Krise erkennen. Stattdessen bittet Mbeki, der sich über Jahre als Fürsprecher des simbabwischen Diktators erwiesen hat, die Simbabwer wegen der seit zwei Wochen unterschlagenen Ergebnisse abermals um Geduld. Das lässt Böses ahnen: Obwohl Mugabe bereits drei Wahlen in Folge eklatant manipulierte, hat Südafrika sie alle für frei und fair befunden. Kein Wunder, dass Mugabe es jetzt wieder versucht – und mit Mbekis Beistand womöglich erneut damit wegkommt.

Dabei haben selbst die Blauäugigsten inzwischen bemerkt, dass es Mugabes Regime mit seiner Verzögerungstaktik allein darum geht, die Wahl nach allen Regeln der Kunst zu fälschen. Man stelle sich vor, wie Mbeki reagiert hätte, wenn Südafrikas Apartheidsregime 1994 nach der ersten freien Wahl am Kap ähnlich unverschämt wie jetzt Mugabe verfahren wäre – und die Ergebnisse tage-, nein wochenlang unterdrückt hätte. Kein Zweifel: Mbekis sogenannte „stille Diplomatie“ gegenüber dem Unrechtsregime in Harare hat sich als ein spektakulärer Fehlschlag erwiesen und den südafrikanischen Präsidenten nun der letzten Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler beraubt. Sein Abgang im nächsten Jahr ist deshalb nicht nur für das eigene Land, sondern auch die Region ein Segen.

Und die Opposition in Simbabwe, die ja offenbar die Wahlen gewann? Ihr bleibt außer Wut und maßloser Enttäuschung nicht viel. Aus eigener Kraft wird sie Mugabe jedenfalls kaum vertreiben können. Es ist ein Trauerspiel.

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