Meinung : Simbabwes Klimamodell Von Clemens Wergin

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Nun soll also Simbabwe die UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung leiten (CSD). Neben den unzureichenden Ergebnissen des UN-Klimagipfels ist das einer der Gründe, warum Deutschlands Umweltminister Sigmar Gabriel sich mit seinen EU-Kollegen geweigert hat, das Schlussdokument der CSD-Sitzung in New York zu unterzeichnen. Nun ist es nicht so, dass Simbabwe gar nichts gegen die Klimaerwärmung getan hätte. Genau genommen hat Diktator Robert Mugabe das Modell Ostdeutschland – wenn die Fabriken dichtmachen, nützt das dem Klima – ein wenig überinterpretiert. Er hat Simbabwes Wirtschaft so gründlich ruiniert, dass sich die Mehrheit der Simbabwer weder Petroleum noch Benzin leisten können, die Traktoren auf den meisten Farmen stillstehen und die Stromversorgung für Haushalte auf vier Stunden am Tag beschränkt bleibt. Simbabwes Modell ist also Klimaschutz durch Verelendung bei einer Inflation von aktuell 2200 Prozent – genau das Gegenteil von dem, was die UN wollen. Nachhaltig ist nur, wie Mugabe sein einst reiches und vorbildhaftes Land zugrunde gerichtet hat.

Dennoch ist es erstaunlich, dass die EU-Länder nun krachend die UN-Tür zuschlagen. Erstaunlich, weil den Europäern offenbar erst jetzt bewusst wird, dass die UN zuweilen ein reichlich dysfunktionaler Haufen sind und das vor allem Entwicklungsländer mit ihrer hohen Zahl von Stimmen in der UN-Generalversammlung selten davor zurückschrecken, die schlimmsten Böcke zu Gärtnern zu machen. Europa muss sich also fragen lassen, warum es nicht viel früher „Skandal“ geschrien hat. Etwa, weil China, Russland, Kuba, Pakistan und Saudi-Arabien in der Menschenrechtskommission sitzen, die in wenigen Tagen die Unterstützung der berüchtigten Menschenrechtsverteidiger Angola, Weißrussland, Ägypten und Katar bekommen sollen. Ein Gremium, das sich anschickt, den schlechten Ruf ihrer Vorgängerinstitution vergessen zu machen und sich eigentlich in Israel-Verdammungs-Kommission umbenennen sollte, was ihre wichtigste Aufgabe zu sein scheint. Die EU könnte sich auch aufregen, dass China die UN in Darfur zur Untätigkeit verdammt und Russland jedes Fortkommen in der Kosovofrage verhindert. Oder darüber, dass Taiwan trotz Sars weiter nicht in die WHO darf – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Dass die Europäer nun beim Klima laut aufschreien, zeigt vor allem eins: Die Erderwärmung ist in Europa zum Glaubensbekenntnis Nr. 1 geworden, das inzwischen sogar die kontinentale Verklärung des UN-Multilateralismus schlägt.

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