Simone Thomalla : "Nur gucken, nicht anfassen"

Die neue "Tatort"-Kommissarin ist die Frau an der Seite von Rudi Assauer, Deutschlands letztem Edel-Macho - und vielleicht jahrelang unterschätzt worden.

Markus Ehrenberg

Nein, mit Maria Furtwängler, der unnahbaren Ikone unter den „Tatort“-Kommissarinnen, hat die neue Kollegin Simone Thomalla wenig zu tun. Wer den Namen der Schauspielerin bei Youtube eingibt, bekommt eine Handvoll mittelklassiger Filmschnipsel und relativ viel nacktes Fleisch zu sehen. Überhaupt: Simone Thomalla? Ist das nicht die an der Seite von Rudi Assauer, dem Ex-Manager von Schalke 04? Der Typ, der in der Veltins-Werbung jungen Mädchen hinterherglotzt und von Frau Thomalla zurückgepfiffen werden muss: „Nur gucken, nicht anfassen!“ Und so eine kann Kommissarin sein in Deutschlands beliebtestem Krimi, genannt in einem Atemzug mit Götz George, Krug, Furtwängler; der „Tatort“, die Krönung jeder hiesigen TV-Karriere?

Abwarten. Angucken. Am Sonntagabend übernimmt die Thomalla – nicht verwandt mit dem Komödianten Georg Thomalla – im Ersten als Eva Saalfeld die Leitung der Leipziger Mordkommission, zusammen mit Martin Wuttke. Ein erstaunliches Ost-West-Duo: Der im Ruhrpott groß und im Ostberlin der Nachwendezeit bekannt gewordene, grüblerische Theaterstar und die 1965 in Leipzig geborene Tochter eines Filmarchitekten und eines Fotomodells, die wegen ihrer Liebe zu Deutschlands letztem bekennenden Chauvi vor acht Jahren von Berlin nach Gelsenkirchen gezogen ist und in Werken gespielt hat wie „Ein Bayer auf Rügen“, „Unser Lehrer Doktor Specht“ oder „Entführ’ mich, Liebling“. Was wenige wissen: Simone Thomalla studierte an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ – und ganz so eindimensional waren ihre Filme auch wieder nicht.

Neulich plauderte die Schauspielerin bei „Beckmann“, cool, souverän, lässig in Lederjacke: über ihre 18-jährige Tochter, die schüchterne Kindheit in der DDR, das Stück Heimat in Leipzig, der Stellenwert alter und neuer Filme („Tatort“!) – man gewann den Eindruck, dass hier eine aus der Schar eher unprofilierter deutscher TV- Schauspielerinnen jahrelang unterschätzt wurde, auch, weil sie den Fehler gemacht hat, sich in Herrn Assauer zu verlieben. Den interessiere ihr Karrieresprung gar nicht so sehr, stellte die Schauspielerin bei „Beckmann“ lapidar fest. Und wenn Rudi zu Hause sagt: „Es kann nur einen Leithammel geben“, sagt sie: „Vergiss es.“ Selbstironie, gewachsen neben dem letzten Edel-Macho – so eine Kommissarin hat dem „Tatort“ noch gefehlt. Markus Ehrenberg

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