Meinung : Sittenwidrig

„Lehrer zweiter Klasse“ vom 19. Mai

Als ehemaliger Lehrer und Ausbilder bin auch ich die letzten zehn Berufsjahre von einem befristeten Arbeitsverhältnis zum nächsten Job durch Berlin und Brandenburg gezogen und habe insgesamt sechs Bildungsträger kennengelernt. Der Bruttolohn lag zwischen 1750 und 2000 Euro. Das ist für einen qualifizierten Handwerksmeister, Diplomingenieur, zertifizierten Quereinsteiger als Berufsschullehrer mit CNC-Kenntnissen für Holzbearbeitungszentren nicht gerade üppig, aber wie im Tagesspiegel-Artikel beschrieben, sittenwidrig von den  Arbeitsagenturen abgesegnet.

Die eigentlich wirklich Betroffenen sind aber die zigtausend Jugendlichen, die von den Agenturen in diesen unterfinanzierten Maßnahmen untergebracht werden. Der Ansatz dieser Bildungsmaßnahmen ist meistens sogar super.  Es kann zum Beispiel keine handwerkliche Berufsausbildung so sorgfältig und intensiv erfolgen wie bei einem Bildungsträger. Wenn die finanziellen und materiellen Voraussetzungen stimmen.

Und das ist das Problem.  Die Bildungsträger haben sich im internen

Konkurrenzkampf, unter den Augen

der Bundesagentur für Arbeit, soweit runtergeboten, dass sie nicht mehr in der Lage sind, den Anforderungen gerecht zu werden.

Und alle sehen hin! Und alle staunen, wie die Millionen verschleudert werden. Und keiner hebt den Finger und sagt Stopp! Weil die Politik nicht in der Lage ist, das System vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen, schielen sie ins europäische Ausland und warten auf qualifizierten Nachwuchs.

Reinhard Kurczynski,

Berlin-Bohnsdorf

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