Smartphones : Verwirrung um die Sicherheit von Blackberry, iPhone & Co.

Sind Blackberrys zu sicher zum staatlichen Abhören und darum zu verbieten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit meinen? Oder doch zu leicht zu knacken, wie einige Bundesministerien finden?

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Angela Merkel mag SMS - aber wie sicher sind Politiker-Handys?
Angela Merkel mag SMS - aber wie sicher sind Politiker-Handys?Foto: dpa

Angela Merkel hat ein pragmatisches Verhältnis zu Mobiltelefonen – und das seit langem. Auf einer Schwarz- Weiß-Aufnahme aus der Wendezeit ist sie mit einem Mobiltelefon in Backsteingröße zu sehen, das jeden modischen Schick vermissen lässt. Ansonsten macht auch die Bundeskanzlerin durchaus Unterschiede in der Beurteilung von Handys. Als sie zusammen mit Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger über die Hannoveraner Technikmesse Cebit 2009 ging, betrachtete sie ein rotes Slider-Handy von Motorola äußerst skeptisch. Das elegante weiße HTC-Smartphone aus Taiwan hielt sie dagegen lächelnd in die Kameras der Fotografen. Dabei gibt es inzwischen sogar ein Mobiltelefon, das den Spitznamen „Merkel-Handy“ trägt. Denn dieses Handy – das Simko II – wurde für den Einsatz in der deutschen Politik maßgeschneidert, mit eingebautem Krypto-Chip und Direktzugang zum Regierungsnetzwerk.

Für die Wächter vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik kommt seither nur das Merkel-Handy infrage. Apples iPhone gilt als ebenso unsicher wie das Manager-Smartphone Blackberry. Doch mehr als Empfehlungscharakter haben die Warnungen nicht, jedes Ministerium entscheidet am Ende selbst.

Sind Blackberry und Co. nun also zu sicher zum staatlichen Abhören und darum zu verbieten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien derzeit meinen? Oder doch zu leicht zu knacken, wie Bundestag und einige Bundesministerien finden? Oder beides? Denn die EU-Kommission warnt zwar ihre Mitarbeiter vor Blackberrys, hat aber nichts gegen iPhones im Politikbetrieb. Wie soll sich da zum Beispiel ein Ministerialbürokrat des deutschen Wirtschaftsministeriums verhalten, auf dessen Dienstreiseplan sowohl Brüssel als auch Abu Dhabi steht?

Tatsächlich sind Handys und Smartphones kaum vor Angriffen geschützt. Firewall, Virenscanner, Verschlüsselung? Fehlanzeige! Stattdessen werden die Daten über unzureichend geschützte Verbindungen ausgetauscht, die weder für Geheimdienste noch für Wirtschaftsspione ein Hindernis darstellen. Über Zusatzfunktionen zum Chatten oder für soziale Netzwerke verschlimmert sich das Problem, selbst das Öffnen einer Dienstanweisung per PDF-Datei kann Hackern Tür und Tor öffnen. Es mag bequem sein, sein mobiles Büro auf dem Smartphone mit sich herumzutragen, auf dem auch die Lieblings-Games und die digitale Musikbibliothek gespeichert sind. Für Verschlusssachen sind „Merkel-Handy“ aber die bessere Wahl, warum nicht als Zweithandy?

Beim Computer sitzt das größte Sicherheitsrisiko vor dem Bildschirm. Nicht viel anders verhält es sich bei Handy oder Smartphone. Auch das „Merkel-Handy“ hätte die Kanzlerin nicht davor bewahrt, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel eine SMS der Regierungschefin an ihn im Zusammenhang mit der Nominierung von Joachim Gauck zum Kandidaten für das Bundespräsidentenamt an die Öffentlichkeit gelangen lässt.

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