Meinung : So beliebt wie Lafontaine

Stoiber hupft herum – jetzt muss er sich auch noch gegen „Isargate“ wehren

Stephan-Andreas Casdorff

Es läuft nicht gut für Edmund Stoiber. Jetzt kommt auch noch dieses „Isargate“ auf ihn zu, wie die schwächliche Opposition das Treiben der Staatskanzlei in München auf einen starken Begriff bringt. Dazu das Lamentieren über eine Gesundheitsreform, das – so richtig es sein mag – auf jeden Fall spät kommt. So spät, dass sich gerade auch die CDU (und die CSU in Berlin) die Frage stellt, ob er, der Mitverhandler, das nicht hätte mitbekommen müssen. Und warum er es nicht mitbekommen hat. Oder, warum er es mitbekommen hat, aber trotzdem jetzt „herumhupft“. Gleichviel, alles zusammengenommen führt das dazu: Auf der Liste der beliebtesten Politiker wird Stoiber nach ganz hinten durchgereicht. Bald wird Oskar Lafontaine beliebter sein, selbst in der Union.

Seine sprunghafte Politik nimmt Stoiber mehr, als sie ihm verschafft. Sachlich sowieso, weil auch sein Land zum Beispiel bei der Gesundheitsreform durch eine Überforderungsklausel geschützt wird. Aber mehr noch, was christsozialen Einfluss in Zukunft, und zumal seinen eigenen, betrifft. Wie sie über ihn hinter seinem Rücken sprechen! „Rumpelstilzchen“ ist da nett. Das macht Stoiber auf Dauer noch schwächer, als er, wenn alle mal ganz offen wären, ohnehin ist. Denn als Löwe war er zu Beginn der großen Koalition nach Berlin gesprungen, als Porzellanfigur ist er nun wieder in München gelandet: Bleich, und irgendwie wirkt das, was er tut, durchsichtig. Außerdem zerbrechlich.

Zwar hat er sich die Tortur angetan, so ziemlich jeden Christsozialen im schönen Bayernland zu besuchen, um ihm in bekannter Manier zu seinem eigenen Besten zuzureden. Was oft genug heißt: verschachtelt, verschwurbelt, endlos, weil er sich ja nicht nur permanent fordert, sondern infolgedessen überfordert. Doch so richtig fruchten tat es nur eine kurze Zeit.

Das Schlimme an dieser Sache mit der Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli ist: Was die Fürther Landrätin der Staatskanzlei vorwirft, traut der bald jeder zu. Nennen wir es nicht Bespitzelung, nennen wir es nur Beobachtung. Aber wer da beobachtet und mal eben nachgehört hat bei einem „langjährigen politischen Freund“, wie denn die Pauli so ist – das war nicht irgendwer, sondern Michael Höhenberger. Der hat immerhin als Landesgeschäftsführer für die CSU den Wahlkampf organisiert, was allein schon heißt, dass er Stoibers Vertrauen genießt. Allerdings eint beide mehr als nur ein langer gemeinsamer Weg. Sie reden ja fast unisono. „Ich will etwas bewegen, dass es den Menschen besser geht“, sagt Stoiber oft über sich. „Ich bin beseelt davon, etwas vorwärts zu bringen“, erklärt Höhenberger.

Und es kann ärger werden mit der Zeit. Wenn nämlich die, die noch hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden, das offen tun; viel fehlt nicht mehr. Schon kommen sie beim Namen Stoiber auf den Abschied von Vorgänger Max Streibl. Das ist sakrisch bös’.

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