Meinung : „So ein Amt flößt ganz schön Respekt ein“

Antje Sirleschtov

Jens wer?“ – So lautete noch vor kurzem manch eine Frage auf den Straßen von Sachsen- Anhalt. Und sie galt einem gewissen Jens Bullerjahn von der SPD, der sich gerade anschickte, Ministerpräsident werden zu wollen. Mit 43! Geschafft hat er es bekanntlich am 23. März nicht, zumindest aber wird dieser Jens Bullerjahn schon bald in Magdeburg mitregieren. Als Finanzminister einer großen Koalition. Und wahrscheinlich wohl als Stellvertreter eines CDU-Regierungschefs. Und zwar eines, der jetzt 63 ist.

„Jens wer?“ wird sich jetzt so manch anderer noch fragen – auch außerhalb von Sachsen-Anhalt. Denn der überraschende Rücktritt des SPD-Vorsitzenden Matthias Platzeck spülte am Montagvormittag den Herrn Bullerjahn aus Magdeburg auf einmal aus der Landes- in die politische Bundesliga. Kurt Beck, der wahrscheinlich nächste Vorsitzende der SPD, will den Sachsen-Anhaltiner zu einem seiner Stellvertreter machen.

Dass Bullerjahn von seiner Nominierung in die Führungsriege der SPD im Auto erfuhr, während die Sitzung des SPD-Präsidiums im Willy-Brandt-Haus schon auf Hochtouren lief, sieht ihm übrigens ähnlich. Erst mal inhaltlich arbeiten, dann an die Karriere denken: So hat Bullerjahn sein Zukunftskonzept zur Entwicklung Ostdeutschlands bis 2020 monatelang im stillen Kämmerlein entwickelt, bevor er damit deutschlandweit Aufsehen erregte und im letzten Herbst zum Chef des SPD-Denkerforums „Ost“ ernannt wurde. Und so war es auch am Montag: Nichts ahnend von dem, was ihm bevorsteht, hatte sich Bullerjahn mit dem brandenburgischen Finanzminister Rainer Speer (SPD) zum Austausch verabredet und kam zum Präsidium zu spät.

Natürlich hätte niemand Bullerjahn gefragt, ob er Parteivize werden will, käme er aus Nordrhein-Westfalen oder aus Hamburg. Seine ostdeutsche Herkunft macht ihn zum Mann der Wahl. Denn mit Platzeck verlässt einer der ganz wenigen Ostdeutschen die SPD-Spitze, was für eine gesamtdeutsche Volkspartei nicht akzeptabel ist. Allerdings gibt es noch einen anderen Grund: Bullerjahn hat ein sehr pragmatisches, ein sehr modernes Bild von der Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert. Mit Sympathien zu großkoalitionären Regierungen hält er nicht hinter dem Berg. Politisch linken Lösungen dagegen kann er nichts abgewinnen. Kurt Beck hat ihn auch deshalb sehr rasch öffentlich als Favoriten genannt.

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