Meinung : „So fit bin ich gar nicht“

Joachim Huber

Einmal im Jahr wird die ARD-Reisekasse geplündert, und die Herren Klaus Bednarz, Fritz Pleitgen und Gerd Ruge machen sich auf den Weg. Mal solo, mal als Trio wie für dieses dreiteilige Jahresendprogramm: „Die Rockies“. Bednarz ist 64, Pleitgen 68 und Gerd Ruge schlanke 78. Alter hin, Ego her, jeder der drei Riesen vom Berge sucht einen, nämlich seinen Weg durch die Rocky Mountains. Gerd Ruge, eine Art Senior Vice President der deutschen Fernsehreportage, fährt durch Colorado, respektive saust er den Colorado River im Rafting-Boot hinunter. Das sieht lebensgefährlich aus, aber Ruge sagt: „Wir hatten eine Rettungsweste um, da konnte nicht viel passieren.“

Die Filme Ruges leben stets davon, dass der Reporter ganz nah dran ist am Berichtsgegenstand. Ob Gerd Ruge „unterwegs in China“ (1998) oder „unterwegs in Afghanistan“ (2003) ist, dieser Journalist bevorzugt Bewegung auf jedwedem Gefährt, wenn er aus seinen Gesprächspartnern die Statements über das Leben im Besonderen und die Lebensumstände im Allgemeinen herausfragt. Im neugierigen, nicht immer verständlichen Nuschelton. Der gebürtige Hamburger war überall, er war von 1956 bis 1959 erster ARD-Korrespondent in Moskau, er begründete mit Klaus Bölling den „Weltspiegel“, er reportierte aus den USA, war Studioleiter in Moskau – aber seine Haltung war stets unverkennbar. Als die Russen die gefürchteten Sowjets waren, wollte er wissen, wie der gemeine Sowjetmensch lebt und denkt. Jetzt, in Colorado Springs, will er wissen, ob das ferne Urteil vom ultrakonservativen Amerika der Überprüfung aus der Nähe, der Begegnung mit dem durchschnittlichen Amerikaner standhält.

Kommt vor aller Neugierde die Fitness? Ruge: „So fit bin ich gar nicht. Aber ich gehe zweimal in der Woche schwimmen und gelegentlich ins Fitnessstudio.“ Und dann wieder auf Reisen.

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