Meinung : „Solch einen Sieg hatte …

Clemens Wergin

Als der ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi im November aus Brüssel nach Italien zurückkehrte, wurde er von der linken Gemeinde wie ein Heilsbringer gefeiert. Er, der Berlusconi 1996 schon einmal eine Niederlage beibrachte, sollte es noch einmal versuchen und die chronisch zerstrittene Linke wieder zu einer schlagkräftigen Bewegung machen. Auch wenn sich der nuschelnde, stets ein wenig zu kompliziert redende Wirtschaftsprofessor so gar nicht eignet als Lichtgestalt: Den ersten Test hat er mit Bravour bestanden. Bei den Regionalwahlen gewann sein Olivenbaum-Bündnis die Wahlen in elf italienischen Provinzen – nur zwei gingen an Silvio Berlusconis „Haus der Freiheiten“.

„Mit dieser Wahl bitten uns die Italiener, dass wir uns auf die Regierungsübernahme vorbereiten“, sagt Prodi. Der 65-Jährige weiß, dass er den Sieg weniger der Stärke der Linken zu verdanken hat, sondern der Tatsache, dass der Flirt der Italiener mit dem Hallodri Berlusconi langsam zu Ende geht. Zu viele uneingelöste Versprechen, zu viel polarisierende Angriffe auf die Justiz und den politischen Gegner, zu viel Eigeninteresse und zu wenig das Gemeinwohl im Blick, und dann auch noch die Unterstützung für Bushs Irakkrieg: Berlusconi hat Sympathien verspielt. Aber die Linke wird ihn bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr nur dann besiegen, wenn sie sich als geeintes Bündnis präsentiert, das eine Vision für Italien hat und nicht nur eine Aversion gegen Berlusconi.

Die letzten Parlamentswahlen hatte die Linke verloren, weil die Kommunisten sich nicht einbinden lassen wollten. Bei den Regionalwahlen hat Prodis Liste mit fast 53 Prozent jetzt nicht nur eine Mehrheit der Stimmen errungen, es war dem Oppositionsführer diesmal auch gelungen, sich mit Kommunistenführer Fausto Bertinotti zu einigen. Das führte zu einer kleinen Kulturrevolution im traditionsverhafteten Süden: In Apulien wurde mit Nichi Vendola ein kommunistischer, homosexueller Katholik zum Gouverneur gewählt.

Die Regionalwahlen könnten der Anfang vom Ende Berlusconis sein. Natürlich wird es bei der Medienübermacht des Unternehmers nicht einfach, ihn zu schlagen. Aber Prodi weiß sehr genau, dass die größte Gefahr vom eigenen Lager ausgeht – das noch stets jede Gelegenheit genutzt hat, sich selbst ein Bein zu stellen. So wie 1998, als seine Regierungsmehrheit wegen interner Intrigen zerbrach und Prodi als Premier zurücktreten musste.

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