Meinung : Sondervorhaben Berlin

„Ost-Berlins perfekte Welle“ vom 13. Juni

Das Sport- und Erholungszentrum ist nicht von schwedischen Architekten geplant worden. Gerkan Marg & Partner haben es im Auftrag der Hochtief AG entworfen, die es der DDR ausschreibungsgemäß komplett und schlüsselfertig angeboten hatte. Der Auftrag wurde dann von der DDR so gesplittet, dass Hochtief mit den kompletten Architekturleistungen gemäß Gerkan-Entwurf beauftragt wurde und eine schwedische Hochbaufirma, die mit einem anderen Entwurf angetreten war, mit der Ausführung.

Weil der DDR-Aufbauleitung „Sonderbauvorhaben Berlin“ der Gerkan-Entwurf etwas zu westlich dekadent erschien und zudem für beteiligte DDR-Zulieferbetriebe technisch zu kompliziert, musste dieser Entwurf dann von Hochtief-Architekten etwas „entschärft“ werden. Eine zeittypische Ironie der Geschichte zeigte sich darin, dass Hochtief einen Projektleiter einsetzte, der kurz zuvor aus der DDR geflüchtet war und deshalb die Baustelle nie selbst besichtigen konnte. Dieser kannte die DDR-spezifischen Normen, Bauvorschriften und technischen Möglichkeiten natürlich exakt, weshalb diese Wahl auch seitens der DDR-Offiziellen nicht als Provokation empfunden wurde. Aber die Geschichte mit Gerkan war der DDR offenbar peinlich, weshalb dessen noch erkennbare Urheberschaft bis heute verschwiegen wird.

Jürgen Müller-Seebeck, Berlin-Steglitz

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