Meinung : Songs der Vergangenheit

Kurz vor der Fußball-WM in Südafrika wächst die Furcht vor Rassenkonflikten

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Langsam kann einem Südafrika fast leid tun. Gerade erst sind die jüngsten Sorgen um die Sicherheit bei der Fußball-WM in zehn Wochen ein wenig abgeebbt, da schürt der brutale Mord an dem burischen Neonazi Eugene Terre Blanche durch zwei schwarze Farmarbeiter neue Ängste vor der Gewalt. Stand bisher vor allem die gewöhnliche Kriminalität im Vordergrund, wachsen nun die Bedenken vor einer rassischen Polarisierung. Angeheizt wird dies durch Aussagen von Rechtsextremisten, den Mord an ihrem Führer zu sühnen.

Auf der anderen Seite versteigt sich die Jugendliga des regierenden ANC seit längerem zu immer neuen Hasstiraden und Drohungen gegen die weiße Minderheit. Es passt ins Bild, dass sich Julius Malema, der Chef der Jugendliga, zum Zeitpunkt des Mordes von Terre Blanche ausgerechnet zu Besuch in Simbabwe befand, wo die weißen Farmer in letzten zehn Jahren fast alle gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden. Bezeichnend ist auch, dass Malema in Simbabwe mit Billigung des ANC den dortigen Diktator Robert Mugabe als Freiheitshelden pries – und mit ihm gemeinsam zur Begrüßung den umstrittenen ANCKampfsong „Tötet die Buren“ sang. Gleichzeitig beschimpfte Malema Mugabes (schwarze) Gegner als Büttel des Kolonialismus.

Dass Südafrikas Image zehn Wochen vor dem Anpfiff der WM einen weiteren schweren Kratzer erlitten hat, hat sich der ANC durch die jahrelange Duldung des umstrittenen Songs selber zuzuschreiben. Wäre Ähnliches von Weißen über Schwarze gesungen worden, hätte dies nicht nur zu entrüsteten Rassismusvorwürfen, sondern vermutlich auch sofort zu hohen Geldstrafen geführt. Unbegreiflich ist aber auch, dass der Staat seit nunmehr 15 Jahren den Übergriffen auf die Farmer tatenlos zuschaut, weil er noch immer keine ausgeklügelte Strategie hat, die die Ängste der Menschen lindern würde. Zum einen mangelt es der Regierung am Willen, wirksam gegen Gewalt vorzugehen, zum anderen an einem echten Verständnis dessen, was zu tun wäre. So wurden zum Beispiel die von dem Farmern organisierten Kommandos auf dem Land einfach abgeschafft, ohne dass gleichzeitig neue Strukturen geschaffen worden wären.

Trotz der Wut der südafrikanischen Rechten über den Mord ist nicht mit einer konzertierten Aktion der Extremisten zu rechnen: Zwar kann nie ausgeschlossen werden, dass ein Mord an einem bekannten Führer verblendete Einzeltäter zu Racheakten gegen Schwarze oder Regierungseinrichtungen anstacheln wird, zumal das gegenwärtige Klima in Südafrika dafür einen Nährboden schafft. Gleichwohl hat sich das Gros der Buren seit langem mit den neuen Gegebenheiten arrangiert und sich resigniert über die eigene politische Ohnmacht im neuen Südafrika ins Private zurückgezogen. Der kleine harte Kern der Widerständler hat keine öffentliche Unterstützung, obwohl immerhin noch rund sechs Prozent der Bevölkerung burischer Herkunft sind. Andere, vor allem jüngere Buren, haben das Land in den letzten Jahren zu zehntausenden verlassen. Hießen die Südafrikaner, die einst nach Neuseeland, Australien oder Kanada zogen, vor allem Goldberg oder Gibson, heißen sie nun immer öfter auch Venter oder van der Merwe.

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