Sophie und Hertha : Gruselige Tage im Mai

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Ist es endlich vorbei? Der Mann, der Mittfünfziger mit den weitläufigen Geheimratsecken, weilt zurzeit im Süden des Landes. Und was soll man sagen, dort hat es geschneit. Flocken, dicke weiße Flocken, die den Maienboden bedeckten, die Maiglöckchen erschreckten und den Mann frösteln ließen. Frösteln? Ach was, es ist schweinekalt gewesen. Die Sophie, diese vermaledeite Schlampe, hat sich mal wieder eingeschlichen, wer ist eigentlich auf die dumme Idee gekommen, sie heiligzusprechen? Wie auch den Pankratius, den Servatius und Bonifatius, alle drei garstige Brüder im Geiste der kalten Sophie? An manchen Orten im Norden mischt der Mamertus mit, der ist keinen Deut besser.

„Die kalte Sophie macht alles hie“, sagt man hier unten im Süden, genau, besonders die gute Laune. So üble Laune schafft die Sophie, das schafft, denkt der Mann, der Freund des Fußballs, ansonsten nur die Hertha. Hertha und Sophie, fast könnte man denken, das sei eine Brut. Aber das stimmt nicht. Man muss der Sophie zugutehalten, dass sie eigentlich Gutes wollte, das kann man von der Hertha im Moment wohl nicht behaupten. Sophia von Rom, eine christliche Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert. Sie wird angerufen gegen Spätfröste und für das gedeihliche Wachsen auf dem Feld. Man muss ihr das aber mal wieder sagen: gegen Spätfröste, Sophie, gegen, nicht für. Auch ihre Brüder, Bonifatius, Pankratius, Servatius waren im Grunde keine schlechten Menschen. Nicht mal der Mamertus. Alles friedliebende Christen. Pate stehen sie gegen Feuersbrunst, der Servatius gegen Fußleiden, Frostschäden, Rheumatismus, Rattenplagen oder gleich gegen alles, wie der Pankratius, das kommt aus dem Griechischen und heißt „der alles Besiegende“.

Der Mann, s. o., hat auch keine Ahnung, warum die herhalten müssen für so gruselige Tage im Mai. Wohlwollend könnte man annehmen, dass alles nur ein Missverständnis ist. Das würde dann Sophie und Hertha wieder in Einklang bringen, Letztere ist zurzeit ja auch nur ein Missverständnis. Weniger wohlwollend, dafür unziemlich unchristlich, muss man angesichts der Schweinekälte und der Fußleiden der Hertha konstatieren, dass auch auf die Heiligen kein Verlass mehr ist. Wo sie doch das genaue Gegenteil von dem bewirken, wofür man sie braucht. Wie Hertha: Soll Fußball spielen, tut es aber nicht. Soll aufrecht sein, ist es aber nicht. Und Anfang Juni kommt auch noch die Schafskälte. Brrr! Helmut Schümann

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