Meinung : „Sound bites sind nicht meine Stärke“

Christoph von Marschall

Würde der künftige Erzbischof von Washington DC dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber John F. Kerry die Kommunion verweigern? Donald Wuerl, derzeit noch Bischof der alten Stahl- und Kohlemetropole Pittsburgh, ist ein prinzipientreuer Geist: gegen Abtreibung, Geburtenkontrolle und Euthanasie; der 65-Jährige ist auch dafür bekannt, dass er konsequent gegen jeden Fall von Pädophilie und Kindesmissbrauch durch Priester seiner Diözese einschritt.

Wie der bisherige Amtsinhaber, Kardinal Theodore McCarrick, der mit 75 Jahren abtritt, gilt Wuerl aber auch als Mann der Mitte. Nach allem, was angesichts seiner Nominierung publik wird, würde er Kerry die Kommunion daher wohl erteilen – trotz dessen Eintreten für ein liberales Abtreibungsrecht. Im Wahlkampf 2004 kam Kerry unangekündigt zur Messe in die St.-Scholastica-Gemeinde in Pittsburgh. Der überraschte Priester Duch gab ihm die Kommunion – obwohl viele in der katholischen Kirche der USA das von der Treue zur Lehre abhängig machen wollen. „Als ich Bischof Wuerl später traf, sagte er mir, ich hätte richtig gehandelt“, verriet Duch nun der „Washington Post“.

Papst Benedikt XVI. hatte als Vorsitzender der Glaubenskongregation auf innerkirchliche Disziplin geachtet. Aber er wird wissen, was für einem Mann er den herausgehobenen Posten in Washington DC anvertraut: mit 560 000 Gläubigen eine kleinere, aber feinere Diözese als Pittsburgh (800 000). Einen, der sagt: „Ich diene der Kirche, nicht einer Ideologie“. 1995 suchte Wuerl den Schutz Roms gegen die US-Hierarchie. Im Skandal um den Missbrauch jugendlicher Messdiener durch drei Priester hatte er sich gegen den Rat seiner Anwälte mit den Familien der Opfer getroffen und die Beschuldigten aus ihren Ämtern entfernt. Das Kirchengericht warf ihm vor, seine Kompetenzen überschritten zu haben. Rom aber gab ihm Recht.

Wuerl schwimmt jeden Morgen 50 Bahnen, sein Hobby ist mittelalterliche Geschichte. Und obwohl er ein Mann des Wortes ist, sagt er über sich, zugespitzte Zitate für die Medien seien nicht seine Stärke. Im Unterschied zu anderen US-Kirchenführern hat er nicht Partei ergriffen im aktuellen Streit um ein neues Zuwanderungsrecht, hat nicht die Staatsbürgerschaft für die elf bis zwölf Millionen Illegalen, zum Großteil katholische „Hispanics“, verlangt. Was immer die Politik entscheide, sie müsse „die Würde der Menschen beachten“.

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